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Wie lange sind Pflegeprodukte haltbar und wie bewahre ich sie richtig auf?

Wie lange Creme, Serum & Co. wirklich halten – und was ihre Haltbarkeit beeinflusst

Pflegeprodukte stapeln sich schnell im Bad – und oft bleibt die Frage: Kann das noch auf die Haut oder sollte es längst weg? Offiziell ist die Haltbarkeit von Kosmetik gut geregelt, im Alltag wirkt sie trotzdem oft abstrakt. Im Folgenden finden Sie Orientierung: Was die Kennzeichnungen wirklich bedeuten, wie Sie Produkte lagern sollten und welche Warnsignale klar zeigen, dass Schluss sein muss.


Was „haltbar bis“ und „nach dem Öffnen“ in der Praxis bedeuten

Kosmetik in der EU muss bestimmte Angaben zur Haltbarkeit tragen. Im Kern geht es um zwei Informationen:

  • Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD)
    Erkennbar an einer kleinen Sanduhr oder der Formulierung „mindestens haltbar bis“. Es ist vorgeschrieben, wenn ein Produkt weniger als 30 Monate haltbar ist. Das Datum bezieht sich ausschließlich auf ungeöffnete Ware bei korrekter Lagerung.

  • „Period After Opening“ (PAO) – das Tiegelsymbol
    Der aufgezeichnete Cremetiegel mit einer Zahl wie „12M“ oder „6M“ zeigt, wie viele Monate das Produkt nach dem Öffnen unter normalen Bedingungen verwendet werden sollte.

Produkte ohne MHD gelten ungeöffnet in der Regel als mindestens 30 Monate stabil. Das heißt aber nicht, dass sie danach grenzenlos unbedenklich sind – vor allem nicht, wenn sie schon länger offen im Schrank stehen.

Wie lange etwas tatsächlich verwendbar bleibt, hängt stark von der Art des Produkts und der Handhabung ab:

  • Wasserhaltige Produkte (Cremes, Lotionen, flüssige Foundations) sind anfälliger für Keime und Abbauprozesse
  • Luftdichte Spender sind meist hygienischer als Tiegel, in die man hineingreift
  • Direkter Fingerkontakt bringt immer Keime ins Produkt
  • Wärme, Licht und Feuchtigkeit beschleunigen den Zerfall von Inhaltsstoffen und können Konservierungsmittel an ihre Grenzen bringen

So lagern Sie Pflegeprodukte alltagstauglich und sicher

Mit ein paar realistisch machbaren Gewohnheiten holen Sie mehr aus Ihren Produkten heraus – ohne übertriebene Ritualisierung:

  • Kühl, trocken, lichtgeschützt
    Am besten eignet sich ein Schrank oder eine Schublade ohne direkte Sonneneinstrahlung und nicht dicht neben Dusche oder Heizung.

  • Bad ja, aber mit Bedacht
    Das Badezimmer ist bequem, aber feucht und oft warm. Empfindliche Produkte (z. B. mit vielen pflanzlichen Extrakten oder Vitaminen) stehen besser in einem trockenen Raum oder in einem geschlossenen Schrank, nicht offen neben dem Waschbecken.

  • Immer gut verschließen
    Deckel nach Gebrauch fest zudrehen. Offene Tuben und Tiegel lassen Luft, Feuchtigkeit und Keime an die Formulierung.

  • Kontakt mit den Fingern minimieren
    Bei Tiegeln möglichst einen sauberen Spatel oder Löffel verwenden, nicht mit nassen oder schmutzigen Fingern hineinfassen.

  • Reisebehälter nicht ignorieren
    Nachfüllbare Reiseröhrchen und Mini-Tiegel sollten regelmäßig gründlich gereinigt und vollständig getrocknet werden, bevor etwas Neues hineinkommt.


Typische Stolperfallen – und wie Sie sie vermeiden

Einige Fehler begegnen immer wieder – meist aus Bequemlichkeit oder Sentimentalität:

  • Produkte aus emotionalen Gründen „aufheben“
    Die Lieblingscreme, die nicht mehr produziert wird, der teure Duft: Man hebt sie gern auf. Überschreitet man jedoch deutlich die PAO-Angabe, steigt das Risiko für Reizungen und Unverträglichkeiten, selbst wenn das Produkt noch „ganz gut“ aussieht.

  • Sonnencreme von vorletztem Sommer unkritisch weiterbenutzen
    UV-Filter können an Wirksamkeit verlieren, besonders wenn die Flasche häufiger Hitze ausgesetzt war (Auto, Strandtasche, Balkon). Hier sollten MHD, Konsistenz und Geruch besonders sorgfältig geprüft werden. Im Zweifel ist ein neues Produkt sinnvoller als ein schlechter Schutz.

  • Veränderte Texturen und Farben ignorieren
    Setzen sich Phasen ab, flockt etwas, verändert sich die Farbe deutlich oder wirkt die Creme plötzlich körnig oder gummiartig, ist das ein klares Signal, sie nicht mehr zu verwenden.

  • Produkte im Sonnenfenster „präsentieren“
    Hübsch aussehen tun sie dort, sinnvoll ist es nicht. Licht- und hitzeempfindliche Inhaltsstoffe, etwa Antioxidantien oder bestimmte Vitamine, verlieren dadurch schneller ihre Wirkung. Das gilt auch für Parfums.


Woran Sie erkennen, dass ein Produkt besser entsorgt wird

Neben Datum und PAO ist Ihr eigenes Sensorium ein verlässliches Instrument – sofern Sie es ernst nehmen:

  • Geruch
    Ranzig, säuerlich, „alt“ oder ungewohnt chemisch: Sobald ein Produkt deutlich anders riecht als zu Beginn, gehört es in den Müll.

  • Farbe und Konsistenz
    Auffällige Verfärbungen, Klümpchen, starke Phasentrennung (Öl schwimmt oben, Wasser unten) oder eine plötzlich ungewöhnlich dünnflüssige oder gummiartige Textur deuten auf Instabilität hin.

  • Reaktion der Haut
    Wenn eine vertraute Creme plötzlich brennt, juckt, spannt oder Rötungen verursacht, liegt das nicht immer, aber sehr häufig an verändertem Produktzustand. In dem Fall sofort pausieren und Haltbarkeitsangaben und Optik prüfen.

Bei Unsicherheit lohnt es sich, konsequent zu sein – insbesondere bei Produkten für empfindliche Zonen wie Augenpartie, Lippen, Schleimhäute oder ohnehin gereizte Haut.


Kurz zusammengefasst

Kosmetik hält in der Regel viele Monate bis mehrere Jahre – unter der Voraussetzung, dass sie korrekt gelagert wird und innerhalb der angegebenen Zeit nach dem Öffnen in Gebrauch ist. Entscheidend sind:

  • MHD und PAO-Angabe
  • Art der Verpackung
  • Lagerbedingungen (Licht, Temperatur, Feuchtigkeit)
  • Hygiene bei der Anwendung

Zusätzlich gilt: Augen, Nase und Gefühl sind wichtige Kontrollinstanzen. Sobald sich Geruch, Farbe oder Textur merklich verändern oder die Haut ungewöhnlich reagiert, ist das Produkt für die Hautpflege nicht mehr geeignet.


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