Unsichtbare Partikel, große Wirkung: Mikroplastik in Kosmetik und seine Folgen für Umwelt und Gewässer
Kosmetik soll pflegen, das Erscheinungsbild verbessern und den Alltag angenehmer machen. Viele Produkte enthalten jedoch Stoffe, die man mit bloßem Auge nicht erkennt, aber in der Umwelt lange erhalten bleiben. Mikroplastik und bestimmte synthetische Polymere gehören dazu. Sie gelangen aus dem Badezimmer direkt in Flüsse, Seen und Meere. Der folgende Überblick zeigt, welche Stoffe gemeint sind, wie sie in der Umwelt wirken und worauf Sie im Alltag achten können.
Was sich hinter Mikroplastik und synthetischen Polymeren wirklich verbirgt
Mikroplastik sind feste, unlösliche Kunststoffteilchen, die kleiner als 5 Millimeter sind. In Kosmetik kommen sie zum Beispiel als Peelingkörnchen, Schleifkörper oder zur optischen Verbesserung von Texturen vor. Diese Partikel lösen sich nicht auf und bleiben als Kunststoff erhalten.
Synthetische Polymere sind ebenfalls Kunststoffe, meist mit sehr langen Molekülketten. In Kosmetik dienen sie unter anderem als Filmbildner, Verdickungsmittel oder zur besseren Verteilbarkeit. Manche liegen als feste Partikel vor, andere sind wasserlöslich oder gelartig.
Aus Umweltsicht gilt:
- Feste Mikroplastikpartikel bleiben als Plastik in der Umwelt.
- Viele synthetische Polymere sind sehr stabil und werden nur langsam oder teilweise abgebaut.
Beide Stoffgruppen gelangen nach der Anwendung über das Abwasser in Kläranlagen und können von dort, je nach Typ und Größe, weiter in Gewässer transportiert werden.
Vom Waschbecken ins Meer: Wie die Partikel in Gewässer gelangen
Mikroplastik aus Kosmetik gelangt in der Regel direkt mit dem Abwasser in die Kanalisation, etwa beim Duschen, Abschminken oder Händewaschen. Kläranlagen halten einen Teil der größeren Partikel zurück. Ein vollständiger Rückhalt ist technisch kaum möglich, vor allem bei sehr kleinen Partikeln oder gelösten Polymeren.
Was nicht im Klärschlamm bleibt, wird mit dem gereinigten Abwasser in Flüsse und Seen abgegeben und gelangt von dort häufig bis ins Meer. Auch synthetische Polymere, die im Wasser fein verteilt oder gelöst sind, können in dieser Form in der Umwelt verbleiben.
Typische Folgen sind:
- Mikroplastik wird in Süßwasser- und Meeresökosystemen nachgewiesen.
- Es reichert sich in Sedimenten an.
- Es kann von Organismen aufgenommen werden, die es mit Nahrung verwechseln.
Die Mengen aus Kosmetik sind nur ein Teil des Gesamtaufkommens. Weitere Quellen sind Reifenabrieb, Fasern aus Textilien oder zerfallender Plastikmüll. Kosmetische Produkte tragen dennoch zur Gesamtbelastung bei.
Häufig unterschätzt: Wo die typischen Denkfehler liegen
Viele Annahmen rund um Mikroplastik in Kosmetik greifen zu kurz oder sind missverständlich:
„Das ist so wenig, das kann nicht schaden.“
Einzelne Produkte enthalten oft nur kleine Mengen. Über viele Anwenderinnen und Anwender, Länder und Jahre summieren sich diese Mengen und können relevante Einträge in die Umwelt verursachen.
„Wenn das Produkt flüssig ist, ist kein Plastik drin.“
Kunststoffe liegen nicht nur als sichtbare Körner vor. Auch flüssige oder gelartige synthetische Polymere bestehen aus Kunststoffbausteinen.
„Kläranlagen filtern doch alles raus.“
Kläranlagen verringern die Belastung, entfernen aber sehr kleine Partikel oder gelöste Polymere nicht vollständig. Ein Teil gelangt weiter in die Umwelt.
„Biologisch abbaubar heißt automatisch unbedenklich.“
„Abbaubar“ beschreibt nicht automatisch die Geschwindigkeit oder die Bedingungen des Abbaus. Manche Stoffe benötigen spezielle Voraussetzungen, die in natürlichen Gewässern nicht vorhanden sind.
Bewusster einkaufen: Was Sie konkret tun können
Auch ohne vertiefte Fachkenntnisse können Sie zur Entlastung von Umwelt und Gewässern beitragen:
INCI-Liste kritisch lesen
Synthetische Polymere stehen häufig unter Bezeichnungen mit „-polymer“, „-acrylate“, „polyethylene“, „polypropylene“ oder „polyquaternium“. Nicht jeder dieser Begriffe steht für Mikroplastik, aber sie weisen auf Kunststoffe hin.
Peelings und Produkte mit sichtbaren Kügelchen prüfen
Mechanische Peelings mit Kunststoffkörnchen lassen sich durch Produkte mit zum Beispiel natürlichen Schleifstoffen ersetzen. Viele Anbieter haben entsprechende Formulierungen im Sortiment.
Weniger Schichten, weniger Produkte
Je weniger Produkte Sie gleichzeitig verwenden, desto geringer ist die Gesamtsumme der Inhaltsstoffe, die in den Abfluss gelangt.
Informationen aus seriösen Quellen nutzen
Umweltbehörden, Verbraucherorganisationen und Forschungseinrichtungen veröffentlichen regelmäßig Übersichten zu Mikroplastik und Kunststoffen in Kosmetik. Diese Informationen helfen, Entwicklungen und Bewertungen besser einzuordnen.
Kurz zusammengefasst
Mikroplastik und bestimmte synthetische Polymere in Kosmetik sind so aufgebaut, dass sie stabil und haltbar sind. In der Umwelt kann genau diese Eigenschaft problematisch sein. Über das Abwasser gelangen sie in Gewässer und können sich in Sedimenten und Organismen wiederfinden. Kosmetik ist nur eine von mehreren Quellen, trägt aber messbar zur Belastung bei. Wer Produkte bewusst auswählt und auf die Inhaltsstoffe achtet, kann dazu beitragen, Umwelt und Gewässer langfristig zu entlasten.
Häufig gestellte Anschlussfragen
Gelangen diese Stoffe auch in die Nahrungskette?
Mikroplastik wird in verschiedenen Wasserorganismen nachgewiesen. Ob und in welchem Umfang dies über mehrere Stufen der Nahrungskette bis zum Menschen relevant ist, wird wissenschaftlich untersucht. Die Datenlage entwickelt sich noch.
Sind alle synthetischen Polymere automatisch schädlich für die Umwelt?
Polymere wirken nicht einheitlich. Ihr Einfluss hängt von Struktur, Form (fest, gelartig, gelöst), Menge und Abbaubarkeit ab. Je beständiger ein Stoff ist, desto eher kann er sich in der Umwelt anreichern.
Sind „plastikfreie“ Produkte immer die bessere Wahl?
Produkte ohne Mikroplastik können die Umwelt entlasten. Trotzdem ist die gesamte Formulierung entscheidend. Auch andere Inhaltsstoffe sollten im Hinblick auf Umweltverträglichkeit und Dosierung betrachtet werden.
Wie entwickelt sich die gesetzliche Lage zu Mikroplastik in Kosmetik?
In verschiedenen Regionen werden Beschränkungen oder Verbote bestimmter Mikroplastikformen in Kosmetik eingeführt oder vorbereitet. Ziel ist, den Eintrag schwer abbaubarer Kunststoffpartikel in die Umwelt zu verringern.