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Spielt der pH-Wert eines Produkts eine Rolle für die Verträglichkeit der Inhaltsstoffe auf meiner Haut?

pH-Wert in der Hautpflege: Wie wichtig ist er für die Verträglichkeit?

Der pH-Wert von Pflegeprodukten klingt nach Labor und Messskala, entscheidet aber im Alltag mit darüber, ob sich ein Produkt auf Ihrer Haut angenehm oder störend bemerkbar macht. Vor allem bei empfindlicher, trockener oder zu Unreinheiten neigender Haut kann er den Unterschied ausmachen: beruhigt ein Produkt – oder reizt es? Im Folgenden geht es darum, welche Rolle der pH-Wert tatsächlich spielt, wie er mit der Hautbarriere zusammenhängt und worauf Sie achten können, ohne sich in Kleinstinformationen zu verlieren.


Warum der pH-Wert in der Hautpflege überhaupt eine Rolle spielt

Die Hautoberfläche ist von einem leicht sauren Film überzogen, dem sogenannten Säureschutzmantel. Sein pH-Wert liegt im Durchschnitt etwa zwischen 4,5 und 5,5 – also unterhalb des neutralen Bereichs.

Dieser leicht saure pH-Bereich ist kein Zufall, sondern erfüllt mehrere Funktionen:

  • Er stabilisiert die Schutzfunktion der Hautbarriere.
  • Er unterstützt die Haut dabei, Wasser zu binden und nicht zu schnell zu verlieren.
  • Er beeinflusst, welche Mikroorganismen sich auf der Haut vermehren – und welche eher nicht.

Produkte, deren pH-Wert deutlich von diesem Bereich abweicht, können den pH-Wert der Haut vorübergehend verschieben. Das ist nicht automatisch schädlich, kann aber – je nach Hauttyp, Produkt und Häufigkeit der Anwendung – zu Spannungsgefühl, Rötungen oder Trockenheit beitragen.


Wie Produkte mit Ihrem Haut-pH zusammenspielen

Es ist kein Problem, wenn ein Produkt nicht exakt den gleichen pH-Wert wie Ihre Haut hat. Entscheidend ist der Kontext: Wofür ist es gedacht, wie lange bleibt es auf der Haut, wie oft wird es verwendet?

Reinigungsprodukte
Sehr alkalische Reiniger (mit hohem pH-Wert) heben den pH-Wert der Haut stärker an. Eine gesunde, robuste Haut kann das meist gut ausgleichen, der pH-Wert normalisiert sich mit der Zeit wieder. Empfindliche oder bereits angegriffene Haut reagiert dagegen schneller mit Trockenheit, Brennen oder sichtbaren Rötungen.

Pflegeprodukte wie Toner, Seren und Cremes
Die meisten dieser Produkte liegen im leicht sauren bis ungefähr neutralen Bereich. Das unterstützt in der Regel die Barrierefunktion und fügt sich in das natürliche Milieu der Haut ein. Einige Wirkstoffe – etwa bestimmte chemische Peelings (AHA/BHA) – benötigen bewusst einen niedrigeren pH-Wert, um effektiv zu sein. Das kann kurzfristig etwas kribbeln oder leicht reizen, ist aber Teil der Wirkweise und sollte weder zu hoch dosiert noch zu häufig eingesetzt werden.

Körperhaut vs. Gesichtshaut
Die Gesichtshaut ist in vielen Fällen sensibler und reagiert schneller als die Haut am Körper. Was am Körper problemlos toleriert wird, kann im Gesicht zu viel sein – insbesondere, wenn der pH-Wert des Produkts deutlich vom natürlichen Bereich abweicht oder die Formulierung insgesamt „härter“ ist.


Typische Stolperfallen rund um den pH-Wert

Rund um den pH-Wert kursieren einige verkürzte Aussagen, die die Auswahl unnötig kompliziert erscheinen lassen:

  • „Je neutraler, desto besser“
    Ein pH von 7 (chemisch neutral) ist nicht automatisch hautfreundlicher. Die Haut ist von Natur aus leicht sauer – nicht neutral.

  • „Alkalische Produkte sind immer schlecht“
    Ein einmaliger Kontakt mit einem alkalischen Produkt führt bei gesunder Haut in der Regel nicht zu bleibenden Schäden. Problematisch wird es eher, wenn sehr häufig zu solchen Produkten gegriffen wird und die Haut ohnehin sensibel oder bereits gereizt ist.

  • „Nur der pH-Wert zählt“
    Der pH-Wert ist ein Baustein, aber er steht nie für sich allein. Inhaltsstoffe, deren Konzentrationen, Duft- und Konservierungsstoffe sowie die gesamte Formulierung sind für die Verträglichkeit mindestens genauso entscheidend.

  • „Brennen bedeutet, dass das Produkt wirkt“
    Ein klares Brennen oder starkes Ziehen ist eher ein Zeichen dafür, dass die Haut überfordert ist – besonders bei Produkten mit sehr niedrigem pH-Wert wie Säurepeelings. „Wirksam“ und „reizend“ sind nicht dasselbe.


Praktische Orientierung: So finden Sie Produkte, die Ihre Haut respektieren

Sie müssen keine halbe Chemie-Ausbildung absolvieren, um passende Produkte zu finden. Ein paar pragmatische Anhaltspunkte reichen oft aus:

  • Beobachten Sie nach der Reinigung das Hautgefühl:
    Spannt die Haut, schuppt sie oder wirkt sie direkt gerötet, kann der Reiniger zu alkalisch oder insgesamt zu aggressiv sein.

  • Bei empfindlicher, zu Rötungen neigender Haut sind milde, leicht saure bis pH-hautnahe Produkte meist sinnvoll – vor allem bei Dingen, die täglich verwendet werden.

  • Produkte mit Fruchtsäuren oder anderen exfolierenden Säuren langsam in die Routine integrieren, anfangs seltener verwenden und die Hautreaktion genau beobachten.

  • „Aktive“ Produkte (z. B. Säuren, Retinoide) mit beruhigender, schützender Pflege kombinieren, damit die Barriere nicht dauerhaft unter Druck gerät.

  • Wenn Ihre Haut zunehmend gereizt wirkt und mehrere Produkte infrage kommen, kann ein zeitlich begrenzter Pflege-Minimalismus helfen: für einige Tage nur milde Reinigung, einfache Feuchtigkeitspflege und Sonnenschutz. Erst wenn sich die Haut beruhigt hat, Schritt für Schritt wieder erweitern.


Kurz zusammengefasst

Der pH-Wert eines Produkts beeinflusst, wie stabil Ihre Hautbarriere bleibt und wie angenehm sich ein Produkt auf der Haut anfühlt. Besonders bei empfindlicher, trockener oder vorgeschädigter Haut kann ein pH-hautnahes, leicht saures Milieu die Verträglichkeit deutlich verbessern. Gleichzeitig ist der pH-Wert nur ein Teil des Gesamtbildes: Formulierung, Inhaltsstoffe, Anwendungsfrequenz und Ihr individueller Hautzustand spielen ebenso hinein. Am Ende zählt weniger, wie ideal ein Wert auf dem Papier wirkt – sondern wie Ihre Haut tatsächlich reagiert.


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