„Nicht komedogen“ erklärt: Was hinter dem Begriff wirklich steckt
Viele Pflegeprodukte schmücken sich mit dem Hinweis „nicht komedogen“. Klingt zunächst beruhigend – gerade, wenn die Haut zu Unreinheiten neigt oder Poren schnell „dichtmachen“. Doch was steckt fachlich dahinter, und wie verlässlich ist dieser Begriff im Alltag?
Im Folgenden geht es darum, was „nicht komedogen“ tatsächlich bedeutet, wo die Grenzen dieser Bezeichnung liegen und wie Sie Produkte auswählen, die Ihre Poren möglichst wenig belasten.
Was „nicht komedogen“ in der Hautpflege tatsächlich bedeutet
Der Begriff „komedogen“ leitet sich von „Komedo“ ab – dem medizinischen Ausdruck für Mitesser. Komedogene Substanzen sind also Stoffe, die die Bildung von Mitessern begünstigen können, etwa indem sie Poren verstopfen oder die Talgabfluss-Situation verschlechtern.
„Nicht komedogen“ heißt im Kern:
Ein Produkt wurde so konzipiert, dass es die Entstehung von Mitessern möglichst wenig fördern soll.
Wesentliche Punkte dabei:
- Es existiert keine einheitliche, rechtlich bindende Definition für „nicht komedogen“.
- Hersteller stützen sich meist auf eigene Prüfungen – etwa Tests an zu Unreinheiten neigender Haut oder Okklusionstests (z. B. auf dem Rücken von Probanden).
- Ob ein Stoff komedogen wirkt, hängt nicht nur von der Substanz an sich ab, sondern auch von:
- der verwendeten Konzentration
- der Kombination mit anderen Inhaltsstoffen
- Ihrem individuellen Hauttyp, Ihrer Talgproduktion und Hautbarriere
Die Konsequenz: „Nicht komedogen“ ist ein orientierender Hinweis, kein Gütesiegel mit Garantie. Auch ein entsprechend ausgelobtes Produkt kann bei einzelnen Personen Unreinheiten verstärken.
So erkennen Sie im Alltag eher nicht komedogene Produkte
Im Alltag hilft eine Kombination aus gesundem Misstrauen, genauerem Hinsehen und etwas Erfahrung. Folgende Anhaltspunkte können Sie nutzen:
1. Auf die Textur achten
Leichte, flüssige oder gelartige Formulierungen liegen meist weniger „schwer“ auf der Haut als sehr reichhaltige, wachshaltige oder stark fettende Cremes. Gerade bei zu Unreinheiten neigender, eher fettiger Haut sind solche leichteren Texturen häufig die bessere Wahl, weil sie die Poren weniger zusätzlich belasten.
2. Hinweise auf der Verpackung richtig einordnen
Begriffe wie „nicht komedogen“, „für zu Unreinheiten neigende Haut“ oder „ölfrei“ können ein erster Filter sein – mehr aber auch nicht. Sie sind weder standardisiert noch unabhängig geprüft. Nutzen Sie diese Angaben als Orientierung, nicht als endgültigen Qualitätsnachweis.
3. INCI-Liste lesen (zumindest grob)
Sehr dichte Fette und Wachse können – vor allem in höheren Konzentrationen und auf ohnehin fettiger, zu Unreinheiten neigender Haut – eher komedogen wirken. Welche Stoffe das im Detail sind, variiert von Liste zu Liste, und nicht jede Haut reagiert gleich.
Entscheidend ist: Wenn Sie bestimmte Inhaltsstoffe bei sich als problematisch identifiziert haben, lohnt es sich, gezielt nach ihnen in der INCI-Liste zu suchen und sie möglichst zu meiden.
4. Produkte bewusst einzeln testen
Führen Sie neue Produkte am besten nacheinander ein, nicht alle gleichzeitig. So lässt sich viel leichter nachvollziehen, ob ein bestimmtes Serum, eine Creme oder ein Sonnenschutz mit vermehrten Mitessern oder Unterlagerungen einhergeht.
Typische Stolperfallen – und wie Sie sie vermeiden
Rund um „nicht komedogen“ halten sich einige hartnäckige Vorstellungen, die in der Praxis eher frustrieren, als dass sie helfen.
„Nicht komedogen = keine Pickel mehr“
Unreinheiten sind multifaktoriell: Talg, Verhornungsstörungen, Hautmikrobiom, Hormone, Lebensstil – alles spielt mit hinein. Selbst die „sauberste“ Formulierung kann keine Hautkrankheit heilen und keine genetische oder hormonelle Disposition aufheben. „Nicht komedogen“ reduziert nur einen möglichen Einflussfaktor.
„Öl ist grundsätzlich schlecht bei unreiner Haut“
So pauschal stimmt das nicht. Öle unterscheiden sich stark in ihrer Zusammensetzung (z. B. Linolsäure- vs. Ölsäure-Anteil), ihrem Spreitverhalten und ihrer Filmbildung. Einige Öle werden von vielen Menschen mit unreiner Haut gut toleriert, andere verursachen bei manchen eher Probleme.
Wichtig ist die Kombination:
Welches Öl, in welcher Menge, in welcher Formulierung und auf welcher Haut? Darauf kommt es an – plus Ihre individuelle Reaktionsbereitschaft.
„Eine verstopfte Stelle = Produkt ist automatisch schlecht“
Einzelne Unreinheiten lassen sich selten eindeutig einem einzigen Produkt zuschreiben. Zudem reagiert die Haut auf Veränderungen oft zunächst etwas unruhig. Aussagekräftiger ist der Verlauf: Verschlechtern sich die Unreinheiten klar erkennbar über mehrere Wochen und treten an Stellen auf, die vorher unauffällig waren, ist das ein deutliches Warnsignal.
Praktische Empfehlungen für eine porenschonende Pflegeroutine
Wenn Sie Ihre Haut möglichst wenig „überfordern“ möchten, können folgende Strategien helfen:
Schrittweise umstellen
Verändern Sie nicht Ihre komplette Routine auf einen Schlag. Bauen Sie neue Produkte nacheinander ein, idealerweise im Abstand von einigen Wochen. So bleibt die Lage überschaubar.
Nicht überpflegen
Viele Schichten aus reichhaltigen Produkten mögen sich zunächst angenehm anfühlen, können aber – insbesondere auf fettiger, zu Unreinheiten neigender Haut – zu einem Hitzestau und Okklusion führen. Weniger ist hier oft mehr.
Milde Reinigung einsetzen
Eine sanfte, nicht stark entfettende Reinigung ist meist sinnvoller als aggressive Produkte, die „quietschsauber“ machen. Wird die Haut regelmäßig zu stark ausgetrocknet, kann die Talgproduktion kompensatorisch anziehen.
Zeit geben
Die Hauterneuerung läuft über Wochen, nicht Tage. Ein echtes Bild, wie ein Produkt langfristig wirkt, bekommen Sie in der Regel erst nach einigen Wochen – vorausgesetzt, es kommt nicht vorher zu starken Irritationen.
Auf die eigene Haut achten
Wenn sich unter einem neuen Produkt dauerhaft mehr Mitesser, Unterlagerungen oder kleine Entzündungen entwickeln, lohnt es sich, dieses Produkt konsequent wegzulassen und den Verlauf zu beobachten. Das klingt banal, ist aber oft aussagekräftiger als jede theoretische Komedogenitätsliste.
Kurz zusammengefasst
„Nicht komedogen“ bedeutet: Ein Produkt wurde so entwickelt, dass es Poren möglichst wenig verstopfen und die Bildung von Mitessern nicht zusätzlich fördern soll. Eine klar definierte, rechtlich abgesicherte Norm gibt es dafür nicht.
Leichte Texturen, durchdachte Inhaltsstoffe und eine zurückhaltend aufgebaute Pflegeroutine können helfen, die Haut nicht unnötig zu überlasten. Am Ende bleibt jedoch Ihre eigene Hautreaktion der entscheidende Maßstab – kein Werbeversprechen auf der Verpackung.