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Wie sinnvoll ist es, Hautpflegeprodukte zu teilen oder in der Community zu tauschen, um Ressourcen zu schonen, und welche hygienischen Aspekte muss ich beachten?

Beauty teilen, Umwelt schonen: Wie sinnvoll ist das wirklich?

Der Wunsch, den eigenen Beauty-Konsum nachhaltiger zu gestalten, ist verständlich: weniger wegwerfen, mehr aufbrauchen, Ressourcen schonen. In Freundeskreisen, Communitys oder Online-Gruppen wird deshalb immer häufiger Make-up und Hautpflege getauscht.

Gleichzeitig steht eine andere Frage im Raum: Wie hygienisch ist das eigentlich – und ab wann kippt der gute Vorsatz in ein Risiko für die Haut?

Im Folgenden geht es darum, welche Produkte sich einigermaßen unbedenklich teilen lassen, wo Vorsicht angebracht ist und welche Hygieneregeln Sie kennen sollten, wenn Sie Kosmetik weitergeben oder übernehmen.


Zwischen Nachhaltigkeit und Hautgesundheit: Was beim Teilen von Pflege wirklich zählt

Teilen und Tauschen kann ökologisch sinnvoll sein. Produkte werden aufgebraucht, statt im Regal zu verstauben oder im Müll zu landen. Das reduziert Ressourcenverbrauch und Abfall – auf dem Papier ein klarer Pluspunkt.

Aus Sicht der Hautgesundheit ist das Bild komplizierter. Kosmetik kommt zwangsläufig mit Keimen in Berührung: über Finger, Lippen, Augen oder direkt über die Haut. Bakterien, Pilze oder Viren finden in bestimmten Produkten recht gute Lebensbedingungen. Besonders heikel wird es dort, wo Kosmetik an Schleimhäute oder auf gereizte, entzündete Hautpartien aufgetragen wird.

Entscheidend ist deshalb eine saubere Unterscheidung:

  • Relativ unkritisch
    Produkte, die kaum oder gar nicht mit der Haut in Kontakt kommen oder sich gut reinigen/desinfizieren lassen.

  • Deutlich riskanter
    Tiegel, in die hineingegriffen wird, Augen- und Lippenprodukte sowie alles, was direkt auf die Haut gegeben wird und sich nicht vernünftig säubern lässt.

Nachhaltigkeit und Hygiene schließen sich nicht aus – aber ohne klare Regeln stehen sie schnell gegeneinander.


So lässt sich Beauty grundsätzlich fair und sauber teilen

Wenn Sie Kosmetik trotzdem teilen oder tauschen möchten, lässt sich das Risiko mit ein paar Grundsätzen deutlich verringern:

  • Produkte in Pumpflaschen oder Tuben bevorzugen
    Hier kommt der Inhalt in der Regel nicht direkt mit Fingern in Kontakt. Das senkt die Keimbelastung deutlich.

  • „Tauschen“ statt „gemeinsam mitbenutzen“
    Ein Produkt weiterzugeben und dann ausschließlich von einer Person nutzen zu lassen, ist hygienischer, als es ständig hin- und herzureichen.

  • Nur äußerlich einwandfreie Produkte weitergeben
    Keine Risse in der Verpackung, kein auffälliger Geruch, keine Verfärbungen, keine Phasentrennung. Sobald etwas „komisch“ wirkt, gehört das Produkt eher entsorgt als geteilt.

  • Verfallsdatum und PAO-Symbol ernst nehmen
    MHD und die angegebene Haltbarkeitsdauer nach dem Öffnen („12M“ etc.) sind keine Dekoration. Ist ein Produkt deutlich älter oder abgelaufen, sollte es nicht mehr weitergegeben werden.

  • Transparenz in der Community
    Ehrlich angeben, wie lange ein Produkt geöffnet ist, wie häufig es in Gebrauch war und ob es mit Spatel, Pinsel oder direkt mit den Fingern entnommen wurde.


Wo aus gutem Willen ein Hygieneproblem werden kann

Trotz aller Nachhaltigkeitsargumente gibt es Bereiche, in denen Teilen schlicht keine gute Idee ist:

  • Produkte für die Augen
    Mascara, flüssiger Eyeliner, Kajal, Cremes direkt am Lid: Hier ist das Risiko für Bindehautentzündungen und andere Infektionen besonders hoch. Diese Produkte sollten aus Hygienegründen nicht geteilt werden.

  • Lippenprodukte
    Lippenstift, Lipgloss, Tints, getönte Balms – sie kommen mit Schleimhäuten in Berührung. Damit steigt das Risiko, Keime oder Herpesviren zu übertragen.

  • Tiegel, in die mit Fingern hineingegriffen wird
    Jeder Griff mit nicht perfekt gereinigten Händen bringt neue Keime in die Formulierung. Nutzen mehrere Personen dieselbe Creme aus dem gleichen Tiegel, summiert sich dieses Risiko.

  • Produkte für gereizte oder verletzte Haut
    Alles, was auf entzündete Stellen, Pickel, Ekzeme oder offene Haut aufgetragen wurde, sollte nicht an andere weitergegeben werden – selbst dann nicht, wenn das Produkt an sich „unauffällig“ aussieht.

  • Tester-ähnliche Situationen
    Wenn ein Produkt von vielen Personen nacheinander ausprobiert wird, ist die Keimbelastung praktisch nicht mehr kontrollierbar – das gilt zuhause genauso wie im Laden.


Praxistipps, um Ressourcen zu schonen – ohne die Haut zu riskieren

Es gibt einige pragmatische Wege, nachhaltiger mit Beauty-Produkten umzugehen, ohne die eigene Haut (oder die anderer) unnötig zu belasten:

  • Besser planen statt später teilen
    Vor dem Kauf ehrlich prüfen: Brauche ich das wirklich, und werde ich es aufbrauchen? Wunschlisten, Beratung oder Proben helfen, Fehlkäufe zu vermeiden.

  • Gemeinsam entscheiden, getrennt benutzen
    Man kann sich im Freundeskreis beraten, Swatches anschauen, Texturen testen – am Ende nutzt jede Person ihr eigenes Produkt.

  • Kleinere Größen wählen
    Mini-Größen, Reisegrößen oder Sets werden eher vollständig verwendet, bevor die Formulierung instabil wird oder einfach vergessen im Schrank steht.

  • Werkzeuge konsequent reinigen
    Pinsel, Schwämmchen, Spatel und Applikatoren regelmäßig mit milder Seife oder geeignetem Reiniger säubern, gründlich trocknen lassen und idealerweise nicht gemeinsam nutzen.

  • Klare Tausch-Kategorien festlegen
    Zum Beispiel: in der Community nur ungeöffnete Produkte tauschen – oder ausschließlich Pumpflaschen und Tuben, die nachweislich erst kurz in Gebrauch sind.

  • Die eigene Haut ernst nehmen
    Wer zu Irritationen, Ekzemen, Akne oder Allergien neigt, fährt in der Regel besser damit, keine bereits benutzten Produkte anderer zu übernehmen – selbst wenn diese „nur kurz getestet“ wurden.


Kurz zusammengefasst

Kosmetik zu teilen oder zu tauschen kann Ressourcen schonen – aber nur, wenn Hygiene und Hautgesundheit den Ton angeben. Geeignet sind vor allem ungeöffnete Produkte und solche in Verpackungen, die den Inhalt gut vor Kontakt mit Fingern schützen. Tiegel, Augen- und Lippenprodukte bleiben problematisch, auch bei bestem Willen.

Wer bewusster einkauft, Produkte möglichst aufbraucht und ein paar Hygieneregeln konsequent beachtet, tut nicht nur der Umwelt, sondern auch der eigenen Haut einen Gefallen.


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