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Wie transparent sollten Marken über ihre Lieferketten und Produktionsstandorte informieren, damit ich ihre Nachhaltigkeit im Bereich Hautpflege besser bewerten kann?

Wie viel Transparenz ist fair? So erkennen Sie ehrliche Nachhaltigkeit bei Hautpflege

Nachhaltigkeit ist in der Beauty-Welt längst mehr als ein schmückendes Etikett. Kaum eine Marke verzichtet heute auf Begriffe wie „grün“, „bewusst“ oder „verantwortungsvoll“ – doch wie viel Substanz steckt dahinter? Wenn Sie Hautpflege bewusst auswählen möchten, reicht ein grünes Logo nicht aus. Sie brauchen Anhaltspunkte, die sich nachvollziehen lassen.
Dieser Artikel zeigt, welche Informationen zu Lieferketten und Produktionsstandorten realistisch sind, was unter sinnvoller Transparenz zu verstehen ist – und woran Sie sich orientieren können, ohne tief in Recherchen einzusteigen.


Was Nachhaltigkeit bei Hautpflege wirklich greifbar macht

Nachhaltigkeit in der Kosmetik endet nicht beim Blick auf die INCI-Liste. Entscheidend ist der gesamte Lebensweg eines Produkts: vom Ursprung der Rohstoffe über die Verarbeitung und Abfüllung bis hin zu Verpackung, Transport und Entsorgung.

Um eine Marke fair einschätzen zu können, lohnt sich vor allem der Blick auf:

  • Rohstoffe und Herkunft
    Welche Inhaltsstoffe stehen im Mittelpunkt – und aus welchen Regionen kommen sie? Werden möglichst ressourcenschonende oder zertifizierte Alternativen eingesetzt, wo das sinnvoll ist?

  • Produktionsstandorte
    In welchen Ländern wird gefertigt? Gibt es Hinweise auf Umweltauflagen, Arbeitsschutz oder Qualitätsstandards?

  • Struktur der Lieferketten
    Kauft das Unternehmen direkt bei Erzeugern oder über mehrere Zwischenstufen? Je klarer dieser Weg beschrieben ist, desto besser lässt sich Verantwortung zuordnen.

  • Ressourcenverbrauch
    Angaben zu Wasser- und Energieeinsatz, zu Abfallvermeidung, Recycling oder Wiederverwendung helfen, die ökologische Seite einzuordnen – auch wenn sie nie das ganze Bild liefern.

Keine Marke kann jede Station lückenlos offenlegen. Aber ein glaubwürdiges Nachhaltigkeitsversprechen braucht mehr als wohlklingende Phrasen und Blätter-Optik auf der Verpackung.


Wo Sie nach Transparenz suchen können – und was dort stehen sollte

Wenn Sie eine Marke auf ihre Nachhaltigkeit hin prüfen möchten, gibt es ein paar typische Orte, an denen sich genaueres finden lässt.

1. Website der Marke

Ein ernst gemeinter, transparenter Auftritt zeigt sich zum Beispiel an:

  • einer klar erkennbaren Seite zu Nachhaltigkeit, Verantwortung oder „Impact“
  • Hinweisen, in welchen Regionen oder Ländern produziert wird
  • grundlegenden Informationen zur Herkunft wichtiger Rohstoffe
  • Angaben zur Verpackung (z. B. Recyclinganteil, Nachfüllsysteme, Verzicht auf unnötige Umverpackungen)

Wichtig ist weniger die perfekte Gestaltung als der Gehalt: Je konkreter formuliert wird, desto besser können Sie es einordnen – und auch hinterfragen.

2. Nachhaltigkeits- oder Verantwortungsberichte

Vor allem größere Unternehmen veröffentlichen eigene Berichte. Darin werden meist:

  • Ziele genannt (z. B. CO₂-Reduktion, Energieeffizienz, Recyclingquoten)
  • Fortschritte messbar gemacht (z. B. Prozentangaben, Zeiträume, Vergleich mit Vorjahren)
  • Schwerpunkte in den Lieferketten beschrieben

Solche Berichte sind kein Beweis für „perfekte“ Nachhaltigkeit, aber sie zeigen, ob ein Unternehmen das Thema strukturiert bearbeitet – oder nur kommunikativ nutzt.

3. Kurze Checkliste für Ihren nächsten Kauf

Wenn Sie eine Marke einschätzen möchten, können Sie sich an diesen Fragen entlanghangeln:

  • Werden Produktionsländer konkret genannt – oder nur vage Begriffe wie „Europa“, „regional“ oder „nach höchsten Standards“?
  • Gibt es Hinweise zu Arbeitsbedingungen, Zertifizierungen oder anderen Standards bei Lieferanten?
  • Werden Grenzen und Probleme offen angesprochen (z. B. „noch im Aufbau“, „aktuell keine Alternative verfügbar“)?
  • Wird nachvollziehbar erklärt, warum bestimmte Materialien, Rohstoffe oder Verpackungen verwendet werden – auch wenn sie nicht ideal sind?

Typische Stolperfallen – wenn Transparenz zur leeren Hülse wird

Nicht jede „grüne“ Botschaft hilft Ihnen bei der Entscheidung. Manche Kommunikation ist so allgemein, dass sie eher verschleiert als klärt. Wachsam werden lohnt sich bei:

  • Sehr allgemeinen Versprechen
    Formulierungen wie „besonders nachhaltig“, „klimaneutral“ oder „umweltbewusst“ ohne Beispiele, Kennzahlen oder Erläuterung sind schwer nachprüfbar.

  • Fehlenden Angaben zu Produktionsstandorten
    Wenn zu Herstellung, Abfüllung oder Zulieferern praktisch nichts genannt wird, lässt sich die Lieferkette kaum beurteilen – auch nicht grob.

  • Undifferenzierten Aussagen zur Herkunft
    „Natürliche Rohstoffe“ klingen gut, sagen aber nichts über Anbauweise, Transportwege, Arbeitsbedingungen oder Zertifizierungen aus.

  • Reiner Erfolgsrhetorik
    Marken, die nur positive Entwicklungen zeigen und keinerlei Baustellen erwähnen, gehen oft eher marketinggetrieben vor. Wer ernsthaft an Nachhaltigkeit arbeitet, spricht in der Regel auch über offene Punkte und Kompromisse.


Realistische Erwartungen: So viel Transparenz dürfen Sie verlangen

Es ist nicht realistisch – und oft auch aus Wettbewerbsgründen nicht möglich –, dass Unternehmen jeden Zulieferer und jeden Prozess im Detail offenlegen. Ein gewisses Grundniveau an Transparenz ist jedoch zumutbar und hilfreich:

  • Klar benannte Hauptproduktionsstandorte
    Mindestens die Länder, idealerweise auch Regionen oder Werke, sollten erkennbar sein.

  • Grundzüge der Lieferkette
    Eine grobe, verständliche Darstellung reicht: etwa „Rohstoffe überwiegend aus Region A und B, Verarbeitung in Land C, Abfüllung in Land D“.

  • Erläuterungen zu zentralen Inhaltsstoffen
    Bei wichtigen oder sensiblen Rohstoffen (z. B. bestimmte Pflanzenöle, Sheabutter, Palmöl-Alternativen) sollte beschrieben werden, wie sie gewonnen werden und nach welchen Kriterien sie ausgewählt sind.

  • Transparenz über Ziele und Fortschritte
    Konkrete, zeitlich hinterlegte Ziele und regelmäßige Updates sind aussagekräftiger als einmalige Selbstverpflichtungen ohne Nachverfolgung.

  • Erreichbarkeit für Rückfragen
    Wenn eine Marke auf konkrete Fragen verständlich und ohne Ausweichmanöver antwortet, ist das ein starkes Indiz dafür, dass hinter den Aussagen mehr steckt als bloße Imagepflege.


Kurz zusammengefasst

Um die Nachhaltigkeit einer Hautpflegemarke besser einschätzen zu können, brauchen Sie keine vollständige Offenlegung jeder Lieferkette. Entscheidend sind nachvollziehbare Einblicke in die wichtigsten Stationen: Herkunft zentraler Rohstoffe, Produktionsorte, grundlegende Umwelt- und Sozialstandards sowie klar formulierte Ziele und deren Fortschritt.
Je spezifischer, belegbarer und weniger werblich diese Informationen sind, desto eher können Sie beurteilen, ob hinter den Versprechen eine ernsthafte Verantwortung steht – oder vor allem Marketing.


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