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Sollte man Pickel ausdrücken oder lieber in Ruhe lassen?

Pickel ausdrücken oder nicht? Was Ihrer Haut wirklich guttut

Pickel erscheinen zuverlässig dann, wenn man sie am wenigsten gebrauchen kann – kurz vor einem Termin, einem Date oder einem wichtigen Anlass. Der Reflex ist klar: schnell ausdrücken, damit die Sache erledigt ist. Gleichzeitig lautet einer der meistgehörten Ratschläge: „Bloß nicht dran rumdrücken.“ Beides klingt plausibel, beides wirkt im Alltag wenig hilfreich.

Um sich darin zurechtzufinden, hilft ein Blick hinter die Kulissen: Was passiert beim Ausdrücken eigentlich in der Haut? Wann wird es wirklich riskant? Und welche Alternativen haben Sie, wenn Sie einen Pickel möglichst unauffällig loswerden möchten?


Was im Pickel passiert – und warum Drücken so heikel ist

Ein typischer Pickel entsteht, wenn eine Pore oder ein Haarfollikel verstopft: Talg, abgestorbene Hautzellen und Bakterien sammeln sich, die Öffnung geht zu, und die Haut reagiert mit einer Entzündung. Die Stelle wird rot, schwillt an und tut mitunter richtig weh.

Wenn Sie nun drücken, pressen Sie auf eine ohnehin gereizte, fragil gewordene Struktur. Im besten Fall entweicht ein Teil des Eiters nach außen. Häufig passiert aber etwas anderes: Der Inhalt wird seitlich oder tiefer ins Gewebe gedrückt.

Die möglichen Folgen:

  • stärkere Entzündung
  • größere, schmerzhaftere Schwellung
  • verzögerte Abheilung
  • dunklere Flecken nach dem Abklingen (postinflammatorische Hyperpigmentierung)
  • im ungünstigsten Fall Narben

Besonders sensibel ist der Bereich um Nase, Oberlippe und zwischen den Augenbrauen. Hier verlaufen Venen in Richtung Gehirn. Tiefe Entzündungen können dort komplizierter werden. Das ist selten, aber ausreichend Grund, in dieser Zone nicht selbst an entzündlichen Pickeln herumzudrücken.


Was Sie im Alltag tun können, wenn ein Pickel auftaucht

Wenn sich ein Pickel ankündigt, ist ein klarer, ruhiger Umgang hilfreicher als hektisches Manipulieren vor dem Spiegel.

Sinnvolle Schritte:

  1. Hände waschen
    Bevor Sie das Gesicht überhaupt berühren, sollten die Hände sauber sein. So minimieren Sie die zusätzliche Keimbelastung auf ohnehin strapazierter Haut.

  2. Haut mild reinigen
    Eine sanfte Reinigung entfernt Schweiß, überschüssigen Talg und Schmutz, ohne den Hautschutzmantel unnötig zu beschädigen.

  3. Gezielt behandeln, nicht quetschen
    Punktuelle Produkte mit entzündungshemmenden oder antibakteriellen Wirkstoffen können helfen, den Pickel „von innen heraus“ zu beruhigen – ganz ohne mechanischen Druck.

  4. In Ruhe lassen, wenn kein „weißer Kopf“ da ist
    Tiefe, nur rote, schmerzhafte Knubbel sind besonders heikel. Hier ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass Druck den Inhalt noch tiefer in die Haut schiebt und die Entzündung verstärkt.

  5. Abdecken statt ausdrücken
    Wenn der Pickel Sie optisch stört, ist es für die Haut deutlich schonender, ihn mit Concealer, Make-up oder einem speziellen Abdeckprodukt zu kaschieren, anstatt daran herumzudrücken.


Typische Stolperfallen – und wie Sie sie vermeiden

  • Mit schmutzigen Fingern drücken
    So bringen Sie weitere Bakterien in eine ohnehin entzündete Region. Besser: Hände und Gesicht reinigen – und idealerweise ganz auf das Drücken verzichten.

  • Zu frühes „Herumspielen“
    Viele fangen an zu drücken, sobald nur eine leichte Rötung zu sehen ist. In diesem Stadium ist der Pickel meist noch gar nicht „reif“. Der Druck verteilt den Inhalt, statt ihn zu entfernen – und macht die Entzündung oft erst richtig groß.

  • Nägel, spitze Gegenstände oder „Werkzeuge“ nutzen
    Damit entstehen kleine Verletzungen und Risse in der Haut. Sie sind eine offene Einladung für Keime und erhöhen die Wahrscheinlichkeit von Narben erheblich.

  • Ständiges Anfassen und Kontrollieren
    Jede Berührung reizt die Stelle zusätzlich, verteilt Talg und Bakterien im Gesicht und kann neue Unreinheiten an anderen Stellen begünstigen.


Hautschonende Strategien, die langfristig mehr bringen

Statt jedes Mal aufs Neue gegen einzelne Pickel anzukämpfen, lohnt sich eine konsequente, aber sanfte Routine. Sie reduziert die Wahrscheinlichkeit, dass Pickel überhaupt entstehen – und wenn doch, heilen sie meist schneller ab.

Hilfreich können sein:

  • Regelmäßige, milde Reinigung
    Morgens und abends, ohne aggressive Tenside oder stark austrocknende Produkte. Ziel ist eine saubere, aber nicht „quietschende“ Haut.

  • Nicht zu viel auf einmal
    Mehr Produkte bedeuten nicht automatisch mehr Wirkung. Zu viele stark wirksame Inhaltsstoffe auf einmal können die Haut irritieren, austrocknen und damit paradoxerweise neue Unreinheiten fördern.

  • Hände aus dem Gesicht
    Jede unnötige Berührung bringt Schmutz, Talg und Bakterien auf die Haut. Bewusste Zurückhaltung macht hier über Wochen und Monate einen sichtbaren Unterschied.

  • Geduld bei der Abheilung
    Ein Pickel verschwindet selten über Nacht. Je nach Tiefe dauert es Tage bis Wochen, bis er komplett abgeklungen ist. Narben und Verfärbungen halten deutlich länger – ein starkes Argument gegen zusätzliches Quetschen.

  • Bei häufigen oder sehr entzündlichen Pickeln ärztlichen Rat einholen
    Wenn Unreinheiten regelmäßig, großflächig oder sehr schmerzhaft auftreten, lohnt sich eine dermatologische Abklärung. Oft steckt ein behandelbares Muster dahinter – von hormonellen Faktoren bis hin zu einer Akneform, die gezielte Therapie braucht.


Kurz zusammengefasst

Pickel auszudrücken ist selten ein Gewinn. In vielen Fällen wird die Entzündung dadurch größer, die Abheilung langsamer und das Risiko für Narben und dunkle Flecken steigt deutlich. Tiefe, schmerzhafte oder zentral im Gesicht gelegene Pickel sollten konsequent in Ruhe gelassen werden. Langfristig fahren Sie besser mit einer sanften, stabilen Hautpflegeroutine, punktueller Behandlung und, wenn nötig, einem guten Abdeckprodukt statt mechanischer Gewalt.


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