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Was bedeutet „reef-safe“ bzw. korallenfreundlicher Sonnenschutz und welche Filter gelten als problematisch für die Umwelt?

Sonnenschutz, der Meer und Haut schützt: Was hinter „reef-safe“ wirklich steckt

„Reef-safe“ Sonnenschutz verspricht ein gutes Gefühl: gut geschützt in der Sonne, ohne die Unterwasserwelt unnötig zu belasten. Doch was bedeutet „korallenfreundlich“ tatsächlich – und wie verlässlich ist diese Bezeichnung? In diesem Text geht es darum, welche UV-Filter in Studien als kritisch für Korallen und andere Meeresorganismen diskutiert werden, wo die Grenzen des Begriffs „reef-safe“ liegen und worauf Sie beim Kauf und bei der Anwendung realistischerweise achten können.


Warum Sonnenschutz auch ein Umweltthema ist

Sonnencreme schützt Ihre Haut vor UV-Strahlung – ein Teil davon landet aber zwangsläufig im Wasser: beim Baden, Duschen oder über das Abwasser.

Schätzungen zufolge gelangen jedes Jahr mehrere Tausend Tonnen Sonnenschutzmittel in die Meere. In Labor- und Feldstudien wurden bestimmte UV-Filter mit Effekten auf Korallen, Algen, Fische und andere Meerestiere in Verbindung gebracht – etwa mit Bleichreaktionen bei Korallenlarven oder mit Veränderungen im Hormonhaushalt von Fischen.

Dabei ist wichtig zu wissen: Viele dieser Untersuchungen arbeiten mit höheren Konzentrationen, als sie in vielen natürlichen Gewässern aktuell gemessen werden. Trotzdem haben einige Regionen – darunter Teile von Hawaii, Palau oder bestimmte Schutzgebiete – bestimmte UV-Filter vorsorglich verboten.

Der Begriff „reef-safe“ selbst ist rechtlich nicht definiert. Es gibt keine einheitlichen gesetzlichen Kriterien, an die sich Hersteller halten müssten. Jede Firma entscheidet im Prinzip selbst, was sie darunter versteht. Umso hilfreicher ist es, die grundlegenden Zusammenhänge zu kennen und selbst informierte Entscheidungen treffen zu können.


Welche UV-Filter als problematisch für Korallen diskutiert werden

Kritisch betrachtet werden vor allem einige chemische (organische) UV-Filter. In der Literatur tauchen immer wieder folgende Stoffe auf:

  • Oxybenzon (Benzophenon-3 / BP-3)
    In Laborstudien häufig mit Korallenbleiche, Schäden an der DNA von Korallenlarven und möglichen hormonähnlichen Effekten bei Meerestieren in Verbindung gebracht.

  • Octinoxat (Ethylhexyl Methoxycinnamate / EHMC)
    Ebenfalls mit Korallenbleiche und potenziellen hormonähnlichen Wirkungen bei Meeresorganismen diskutiert.

  • Octocrylen
    In einigen Studien mit toxischen Effekten für bestimmte Meeresorganismen in Zusammenhang gebracht; zudem kann es sich im Gewebe von Organismen anreichern.

  • Homosalat und Octisalate
    Werden in Umweltstudien gelegentlich erwähnt, vor allem im Hinblick auf mögliche hormonähnliche Effekte und Anreicherung. Die Datenlage ist hier dünner und weniger konsistent als bei Oxybenzon und Octinoxat.

Daneben stehen weitere organische Filter in der Diskussion, allerdings ist die Studienlage sehr unterschiedlich – von gut untersucht bis kaum erforscht. Ein genereller Punkt: Viele Arbeiten testen einzelne Stoffe unter kontrollierten Laborbedingungen. Wie stark sich diese Effekte tatsächlich in komplexen Ökosystemen auswirken, wird weiter untersucht.

Mineralische Filter wie Zinkoxid und Titandioxid gelten oft als „reef-friendlier“, also tendenziell korallenfreundlicher. Aber auch hier entscheidet die konkrete Formulierung: Partikelgröße, Beschichtung und Konzentration können eine Rolle spielen. Bestimmte nanopartikuläre Formen oder schlecht stabilisierte Formulierungen haben in Studien ebenfalls Effekte auf Wasserorganismen gezeigt.


Typische Missverständnisse rund um „reef-safe“

Auf vielen Verpackungen klingt alles eindeutig – ist es aber selten. Häufige Irrtümer:

  • „Reef-safe“ ist gesetzlich definiert
    Ist es nicht. Es gibt keine verbindliche, rechtliche Definition. Was ein Hersteller als „reef-safe“ versteht, kann sich deutlich von einem anderen unterscheiden.

  • Ohne Oxybenzon = automatisch korallenfreundlich
    Fehlt ein kritischer Filter, können andere problematische Stoffe trotzdem enthalten sein. Ob ein Produkt wirklich „korallenfreundlicher“ ist, sehen Sie nur, wenn Sie die gesamte Liste der UV-Filter betrachten.

  • Mineralische Filter sind immer unproblematisch
    Stimmt so nicht. Auch mineralische Filter können – je nach Partikelgröße, Beschichtung und Konzentration – Auswirkungen auf Wasserorganismen haben. „Natürlich“ ist kein Garant für Umweltneutralität.

  • „Bio“ oder „natürlich“ = gut für Korallen
    Begriffe wie „bio“, „naturkosmetisch“ oder „natürlich“ haben primär mit Herkunft und Verarbeitung der Inhaltsstoffe zu tun, nicht automatisch mit deren Verhalten im Meer. Entscheidend bleiben die konkreten Stoffe, nicht das Etikett.


Praktische Orientierung: Woran Sie sich beim Kauf und in der Anwendung orientieren können

Eine Sonnencreme, die gleichzeitig hautfreundlich, hochwirksam, angenehm im Auftrag und komplett unbedenklich für alle Ökosysteme ist, gibt es derzeit nicht. Sie können die Umweltbelastung aber spürbar reduzieren:

  • Inhaltsstoffe prüfen
    Wenn Sie sich an korallenfreundlicheren Optionen orientieren möchten, meiden Sie nach Möglichkeit Produkte mit Oxybenzon (Benzophenon-3), Octinoxat (Ethylhexyl Methoxycinnamate) und – je nach persönlicher Vorsicht – Octocrylen, Homosalat und Octisalate.

  • Auf mineralische Filter achten
    Viele Umweltinitiativen empfehlen bevorzugt Produkte mit Zinkoxid oder Titandioxid. Achten Sie darauf, dass keine „metallischen Nanopartikel“ offensiv beworben werden, und prüfen Sie bei sensibler Haut die Verträglichkeit, da mineralische Filter manchmal weißeln oder fester in der Textur sind.

  • Ausreichend, aber mit Bedacht verwenden
    Für den Hautschutz ist eine ausreichende Menge unverzichtbar. Sie können die Eintragsmenge ins Wasser etwas verringern, indem Sie nicht direkt vor dem Schwimmen dick nachcremen. Besser: Sonnenschutz etwa 20–30 Minuten vor dem Gang ins Wasser auftragen, damit er einziehen und sich auf der Haut fixieren kann.

  • Textilien als wichtigen Baustein nutzen
    UV-Schutzkleidung, Shirt, Hut und Sonnenbrille reduzieren die zu cremende Fläche deutlich. Das schützt die Haut zuverlässig und senkt gleichzeitig die Menge an UV-Filtern, die ins Wasser gelangen.

  • Duschen zwischen den Runden
    Wenn möglich, spülen Sie Salzwasser oder Chlor ab, bevor Sie erneut Sonnenschutz auftragen. So vermeiden Sie, Schicht um Schicht aufzubauen – auf der Haut und letztlich auch im Wasser.


Kurz zusammengefasst

„Reef-safe“ ist eher ein Marketinghinweis als ein klar definierter Standard. Besonders Oxybenzon und Octinoxat werden in Studien wiederholt mit negativen Effekten auf Korallen und andere Meeresorganismen in Verbindung gebracht, weshalb sie in einigen Regionen verboten wurden. Die Datenlage ist nicht perfekt, aber ausreichend, um den vorsorglichen Umgang mit bestimmten Filtern zu begründen.

Wenn Sie korallenfreundlicher handeln möchten, hilft es, die Filterliste zu lesen, einige besonders umstrittene Stoffe zu meiden, Textilien als UV-Schutz fest einzuplanen und Sonnenschutz rechtzeitig vor dem Baden aufzutragen. So verbinden Sie einen wirksamen Schutz Ihrer Haut mit etwas mehr Rücksicht auf Meere und Korallenriffe.


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