Welche Lippenstiftfarbe steht mir? So finden Sie Nuancen, die Ihren Hautton wirklich unterstreichen
Die richtige Lippenstiftfarbe kann das gesamte Gesicht verändern: Plötzlich wirkt man wacher, frischer, klarer. Die falsche Nuance dagegen lässt selbst ein gutes Make-up schnell blass, fahl oder „angemalt“ aussehen. Viele greifen nach Trendfarben – dabei sind Hautton und vor allem der Unterton viel entscheidender.
Im Folgenden geht es darum, wie Sie Ihren Unterton möglichst realistisch einschätzen, welche Farbrichtungen typischerweise gut funktionieren und warum starre Farbregeln nur bedingt hilfreich sind. Außerdem bekommen Sie Orientierung, wie Sie im Alltag schneller zu einem Ton greifen, der wirklich passt.
Hautton vs. Unterton: Warum beides wichtig ist
Für die Wahl eines Lippenstifts spielen zwei Ebenen eine Rolle:
- Hautton: Wie hell oder dunkel ist Ihre Haut insgesamt?
- Unterton: Schimmert Ihre Haut eher warm, kühl oder neutral?
Der Hautton entscheidet vor allem darüber, wie kräftig ein Lippenstift sein darf, ohne „zu viel“ oder eben zu unscheinbar zu wirken.
Der Unterton beeinflusst, ob warme, neutrale oder kühle Farben harmonisch mit Ihrem Teint zusammenspielen oder dagegen arbeiten.
Wichtig ist:
Der Unterton bleibt relativ konstant – unabhängig davon, ob Sie gerade gebräunt sind oder nicht. Die Haut kann im Sommer deutlich dunkler werden, der Grundton bleibt aber warm, kühl oder neutral. Genau daran orientieren sich viele Farbempfehlungen.
So finden Sie Ihren Unterton: einfache Tests für zu Hause
Eine hundertprozentig exakte Analyse liefert eigentlich nur eine professionelle Farbberatung. Für den Alltag reichen jedoch einige einfache Tests, die zusammen ein erstaunlich klares Bild ergeben können. Prüfen Sie sich ungeschminkt, bei Tageslicht, vor einem möglichst neutralen Hintergrund.
Venen-Test am Handgelenk
- Wirken die Venen eher blau oder violett: häufig ein kühler Unterton
- Wirken sie eher grünlich: häufig ein warmer Unterton
- Ist beides vorhanden oder schlecht zu unterscheiden: eher ein neutraler Unterton
Schmuck-Test
Stellen Sie sich mit schlichter Kleidung vor den Spiegel:
- Wirkt Silberschmuck sofort edel und klar: oft ein kühler Unterton
- Lässt Goldschmuck Sie lebendiger und harmonischer erscheinen: oft ein warmer Unterton
- Stehen Ihnen beide Metalle ähnlich gut: Hinweis auf einen neutralen Unterton
Weiß-vs.-Creme-Test
Halten Sie ein rein weißes und ein cremefarbenes Stoffstück direkt neben Ihr Gesicht:
- Bei Reinweiß wirkt der Teint frischer und klarer: eher kühler Unterton
- Bei Creme wirkt der Teint weicher und ausgeglichener: eher warmer Unterton
Wenn die Tests kein eindeutiges Ergebnis liefern oder widersprüchlich sind, gehören Sie vermutlich zu den Menschen mit neutralem Unterton – und haben damit meist die größte Freiheit bei der Farbauswahl.
Häufige Irrtümer bei der Wahl der Lippenstiftfarbe
Viele Unsicherheiten entstehen, weil Menschen versuchen, sich an pauschalen Regeln entlangzuhangeln. Einige typische Missverständnisse:
„Ich bin hell, also brauche ich unbedingt Nude.“
Sehr helle Haut kippt mit extrem blassen Nude-Tönen schnell ins Ausgewaschene. Ein Hauch Farbe – etwa Rosé, Pfirsich oder ein zarter Beerenton – wirkt oft lebendiger, ohne laut zu sein.
„Dunkle Lippenstifte stehen nur dunkler Haut.“
Tiefe, dunkle Töne können auf heller Haut sehr elegant wirken. Entscheidend sind der Unterton und die Textur: Transparente, glossige oder satinierte Formeln wirken milder als ultramatte Vollpigment-Lippenstifte.
„Kräftige Farben gehen nur abends.“
Ein klares Rot oder ein beeriger Ton kann tagsüber sehr modern aussehen, wenn der Rest des Make-ups zurückhaltend bleibt: dezente Augen, sauber ausgeglichener Teint, wenig Konkurrenz auf dem Gesicht.
„Warme Typen dürfen keine kühlen Farben tragen.“
Solche Verbote sind selten sinnvoll. Ein kontrollierter Kontrast kann den Look spannender machen. Wichtig ist, dass die Gesamtwirkung stimmig bleibt – etwa indem Rouge und Lippenstift farblich miteinander kommunizieren.
Farborientierung: Welche Nuancen typischerweise harmonieren
Die folgenden Empfehlungen sind Anhaltspunkte, keine strengen Vorgaben. Sie helfen, schneller in die richtige Richtung zu greifen – ersetzen aber nicht den Blick in den Spiegel.
Bei kühlem Unterton
Häufig schmeichelnd:
- Rosenholz- und Beerentöne
- Kühle Rosé- und Pinknuancen
- Rottöne mit bläulichem Einschlag (Kirschrot, Himbeerrot)
Etwas vorsichtiger:
- Stark orangestichige Rottöne
- Sehr warme Korallnuancen, die im Kontrast schnell „beißen“ können
Bei warmem Unterton
Häufig schmeichelnd:
- Pfirsich- und Apricotnuancen
- Warme Nude-Töne mit leichtem Braun-, Karamell- oder Honiganteil
- Rottöne mit orangefarbenem, tomatigem oder leicht terrakottafarbigem Einschlag
Etwas vorsichtiger:
- Sehr blaustichige Pink- und Beerentöne, vor allem in matten, intensiven Formeln, die hart gegen den Teint wirken können
Bei neutralem Unterton
Sie können in der Regel sowohl kühlere als auch wärmere Nuancen gut tragen.
Entscheidend sind dann eher Anlass, Intensität und persönliche Vorlieben:
- Für den Alltag: sanfte Nude-, Rosé- oder MLBB-Töne („my lips but better“ – also Nuancen, die Ihrer natürlichen Lippenfarbe sehr nahekommen)
- Für Akzente: klassische Rottöne, Beeren, Mauve oder etwas experimentellere Farben, je nach Stil
Kurz zusammengefasst
Die Wahl der passenden Lippenstiftfarbe orientiert sich weniger an Trends als an Ihrem individuellen Hautton – und noch stärker an Ihrem Unterton. Der Unterton gibt die grobe Richtung vor: eher warm, eher kühl oder dazwischen. Der Hautton bestimmt, wie intensiv ein Ton sein darf, ohne Sie zu überstrahlen oder zu blass wirken zu lassen.
Venen-, Schmuck- und Stofftests liefern brauchbare Anhaltspunkte. Nutzen Sie sie als Startpunkt – und entscheiden Sie dann im Spiegel. Ausschlaggebend ist am Ende, bei welchen Nuancen Ihr Gesicht lebendig wirkt, nicht nur die Lippen.