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Wie kann ich als Studioinhaber ein Hygienekonzept für mein Nagelstudio erstellen?

Saubere Sache: So entwickeln Sie ein überzeugendes Hygienekonzept für Ihr Nagelstudio

Ein durchdachtes Hygienekonzept ist längst keine nette Ergänzung mehr, sondern Standard – rechtlich wie aus Sicht Ihrer Kundschaft. Im Nagelstudio arbeiten Sie nah an Haut und Nägeln, mit Feilstaub, Flüssigkeiten und gelegentlichen Mikroverletzungen. Ohne klare Regeln entsteht schnell ein Risiko, das sich vermeiden ließe.

Ein schriftliches Hygienekonzept hält fest, wie Sie Sauberkeit, Desinfektion und Schutzmaßnahmen organisieren – nachvollziehbar, überprüfbar und für alle im Team eindeutig. In diesem Beitrag lesen Sie, was hineingehört, wie Sie strukturiert vorgehen und welche typischen Fehler Sie sich ersparen können.


Warum Hygiene im Nagelstudio mehr ist als nur „sauber machen“

Im Nagelstudio kommen mehrere Risikofaktoren zusammen: unmittelbarer Körperkontakt, Arbeiten mit scharfen und rotierenden Instrumenten nah an der Haut, feiner Staub in der Luft und eine hohe Kundenfrequenz. Wenn hier die Hygienestandards unscharf sind, steigt die Gefahr für:

  • Übertragung von Keimen über Instrumente oder Hände
  • Entzündungen bei kleinsten Verletzungen
  • Allergische Reaktionen durch unsachgemäßen Umgang mit Produkten

Ein Hygienekonzept sorgt dafür, dass Hygiene nicht vom Bauchgefühl abhängt. Es legt schriftlich fest,

  • wie gereinigt, desinfiziert und entsorgt wird,
  • wie Schutzhandschuhe, Mund-Nasen-Schutz und ggf. Schutzbrille eingesetzt werden,
  • wie mit Verletzungen oder Infektionsverdacht umzugehen ist.

Wesentlich ist außerdem: In vielen Ländern gibt es verbindliche Hygiene- und Arbeitsschutzvorgaben für Kosmetik- und Nagelstudios – etwa durch Gesundheitsämter, Berufsgenossenschaften oder Kammern. Diese Vorgaben sollten Sie kennen und Ihr Konzept daran ausrichten, statt nur „nach Gefühl“ zu arbeiten.


Schritt für Schritt zum eigenen Hygienekonzept

Für ein praxistaugliches Konzept hat sich folgende Grundstruktur bewährt:

  1. Studio-Beschreibung
    Halten Sie kompakt fest:

    • Welche Leistungen bieten Sie an? (z. B. Maniküre, Modellage, Pediküre)
    • Wie viele Arbeitsplätze gibt es?
    • Wie groß und wie aufgeteilt sind die Räume?
  2. Händehygiene
    Definieren Sie klare Standards:

    • In welchen Situationen werden Hände gewaschen, wann desinfiziert?
    • Wie gehen Mitarbeitende mit Ringen, Armbändern und künstlichen Fingernägeln um?
    • Welche Mindestregeln gelten vor und nach jedem Kundenkontakt?
  3. Umgang mit Schutzausrüstung
    Legen Sie fest:

    • Welche Tätigkeiten werden mit Handschuhen, Mund-Nasen-Schutz und ggf. Schutzbrille durchgeführt?
    • Wie oft werden Einweghandschuhe und Masken gewechselt?
    • Wie wird Mehrweg-Schutz (z. B. Schutzbrillen) gereinigt und aufbewahrt?
  4. Reinigung und Desinfektion von Flächen
    Strukturieren Sie die Flächenhygiene:

    • Welche Flächen werden wie häufig gereinigt (Arbeitsflächen, Lampen, Stühle, Geräte)?
    • Wann genügt eine sichtbare Reinigung (Schmutz entfernen) und wann ist Desinfektion erforderlich (Keimzahl reduzieren)?
    • Welche Produkte setzen Sie wofür ein?
  5. Instrumentenaufbereitung
    Trennen Sie hier sehr genau:

    • Welche Instrumente sind Einweg, welche Mehrweg?
    • Exakter Ablauf der Aufbereitung: Vorreinigung, ggf. Desinfektion, Trocknung, Lagerung.
    • Wie werden „saubere“ und „benutzte“ Instrumente gekennzeichnet und getrennt gelagert?
  6. Umgang mit Feilen, Polierern & Verbrauchsmaterialien
    Hier passieren in der Praxis viele Fehler:

    • Definieren Sie, welche Einwegmaterialien pro Person benutzt und danach entsorgt werden.
    • Wenn Materialien personengebunden wiederverwendet werden: Wie werden sie beschriftet und aufbewahrt?
    • Aufbewahrung immer in sauberen, geschlossenen Boxen – nicht offen am Arbeitsplatz.
  7. Hautverletzungen und Blutkontakte
    Es braucht einen klaren Ablauf, wenn etwas schiefgeht:

    • Was passiert bei kleinen Schnitten oder Blutungen konkret – Schritt für Schritt?
    • Sofortmaßnahmen: Desinfektion, sterile Abdeckung, Pflaster, ggf. Abbruch der Behandlung.
    • Wie und wo werden besondere Vorkommnisse dokumentiert?
  8. Müllentsorgung und Wäsche
    Reglementieren Sie auch diesen Alltagspunkt:

    • Trennung von normalem Müll und potenziell kontaminiertem Abfall (z. B. blutige Tupfer).
    • Wie oft und wie wird der Müll entsorgt?
    • Wäschewechsel von Handtüchern, Unterlagen etc. in welchen Abständen – und bei welchen Waschtemperaturen?
  9. Schulung und Dokumentation
    Ein Konzept funktioniert nur, wenn es auch verstanden wird:

    • Wie werden neue Mitarbeitende eingewiesen?
    • Wo liegt das Hygienekonzept aus, sodass alle Zugriff haben?
    • In welchen Intervallen wird es überprüft und bei Bedarf angepasst?

Typische Stolperfallen – und wie Sie sie vermeiden

In vielen Studios tauchen dieselben Probleme immer wieder auf:

  • Händehygiene wird unterschätzt
    Gerade bei Hektik im Alltag wird dieser Schritt „mal eben“ ausgelassen. Legen Sie feste Routinen fest (z. B. vor jeder Kundin, nach jeder Kundin, nach dem Toilettengang, nach Aufräumarbeiten) und halten Sie sich konsequent daran.

  • Einwegmaterial wird mehrfach benutzt
    Um Kosten zu sparen, werden Feilen oder Buffer zu lange verwendet. Das spart an der falschen Stelle und erhöht das Risiko für Infektionen deutlich.

  • Unklare Zuständigkeiten
    Wenn niemand genau weiß, wer wofür verantwortlich ist, bleibt manches liegen. Hinterlegen Sie im Konzept klare Zuständigkeiten – idealerweise mit Zeiten und Vertretungsregeln.

  • Das Konzept bleibt Papier
    Ein ordentlich formuliertes Dokument nutzt nichts, wenn es im Ordner verschwindet. Kurze, sichtbare Aushänge, Checklisten am Arbeitsplatz und regelmäßige kurze Teambesprechungen helfen, die Regeln im Alltag tatsächlich umzusetzen.


Praktische Tipps, damit Ihr Hygienekonzept im Alltag funktioniert

  • Checklisten für den Tagesablauf
    Erstellen Sie einfache Listen für: vor Öffnung, zwischen Terminen, nach Ladenschluss. Beispiele: Flächen desinfizieren, Instrumente aufbereiten, Müll entsorgen, Wäsche sammeln.

  • Hygieneplan sichtbar aushängen
    Ein komprimierter Hygieneplan im Mitarbeiterbereich hält die wichtigsten Punkte präsent, ohne dass ständig im Ordner geblättert werden muss.

  • Arbeitsplatz logisch strukturieren
    Trennen Sie „saubere“ und „benutzte“ Instrumente räumlich gut sichtbar. Körbe oder Boxen mit klarer Beschriftung verhindern Verwechslungen.

  • Regelmäßige interne Schulungen
    Wiederholen Sie die zentralen Regeln in festen Abständen. Neue Mitarbeitende erhalten zu Beginn eine systematische Einführung, nicht nur eine mündliche Kurzfassung „nebenbei“.

  • Im Zweifel beim Amt nachfragen
    Wenn Sie bei gesetzlichen Vorgaben unsicher sind, lohnt sich der direkte Kontakt zu den zuständigen Behörden oder Kammern. Häufig gibt es Merkblätter oder Musterhygienepläne, an denen Sie sich orientieren können.


Kurz zusammengefasst

Ein Hygienekonzept ist das Fundament für sichere Behandlungen, Vertrauen Ihrer Kundinnen und Kunden und Rechtssicherheit für Ihr Studio. Es beschreibt klar, wie Sie Händehygiene, Instrumentenaufbereitung, Flächenreinigung, Schutzmaßnahmen und Entsorgung organisieren.

Entscheidend ist nicht die schönste Formulierung, sondern dass das Konzept zu Ihrem Studio passt, schriftlich vorliegt und im Alltag gelebt wird. Wenn alle im Team die Regeln kennen und befolgen, wird Hygiene zu einem sichtbaren Qualitätsmerkmal – und zu einem echten Wettbewerbsvorteil.


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