Riecht gut muss nicht teuer sein: Wie sich Drogerie- und Luxusparfum wirklich unterscheiden
Parfum gehört für viele so selbstverständlich zum Alltag wie die Zahnbürste – im Büro, beim Ausgehen oder einfach, um sich selbst ein bisschen „angezogener“ zu fühlen. Gleichzeitig hält sich ein hartnäckiger Reflex: Was günstig ist, kann nicht viel taugen. Vor allem bei Düften.
Die Frage ist: Trifft das tatsächlich zu – oder ist ein Teil dieser Wahrnehmung schlicht Gewohnheit und Marketing? Im Folgenden geht es darum, worin sich günstige und teure Düfte tatsächlich unterscheiden, wo vor allem Image im Spiel ist und wie Sie für sich selbst beurteilen können, ob ein Duft „gut“ ist.
Was Duftqualität wirklich ausmacht – jenseits des Preisschilds
Ob ein Parfum als hochwertig wahrgenommen wird, hängt nicht nur an der Zahl auf dem Kassenzettel, sondern an mehreren Faktoren, die man getrennt betrachten sollte.
1. Konzentration der Duftöle
Parfums werden grob in Konzentrationen eingeteilt, etwa:
- Eau de Cologne: sehr leicht, geringer Duftölanteil
- Eau de Toilette: leicht bis mittel
- Eau de Parfum: intensiver, meist deutlich länger wahrnehmbar
Der Anteil an Duftölen entscheidet maßgeblich darüber, wie präsent und wie lang ein Duft hält – unabhängig davon, ob die Flasche aus der Drogerie oder aus einer Designer-Boutique stammt.
2. Zusammensetzung des Dufts
Ein Parfum entfaltet sich in Phasen: Kopf-, Herz- und Basisnoten. Qualität zeigt sich vor allem darin,
- wie stimmig diese Phasen ineinander greifen und
- ob der Duft „aus einem Guss“ wirkt oder in Einzelteile zerfällt.
Das ist eine Frage des Könnens und der Erfahrung der Parfümeur:innen – nicht automatisch eine Frage des Preissegments.
3. Verwendete Duftstoffe
Günstige wie teure Parfums arbeiten mit einer Mischung aus synthetischen und natürlichen Rohstoffen. Dabei gilt:
- Synthetische Moleküle sind nicht per se minderwertig.
- Sie sind oft stabiler, besser dosierbar und ermöglichen Duftakkorde, die es so in der Natur nicht gibt.
Entscheidend ist, wie geschickt diese Stoffe kombiniert und ausbalanciert werden.
4. Haltbarkeit auf der Haut
Wie lange ein Duft bleibt, hängt unter anderem ab von:
- der Konzentration der Duftöle
- der Rezeptur
- Ihrer eigenen Haut (Feuchtigkeitsgehalt, pH-Wert, Pflegegewohnheiten)
Ein hoher Preis verlängert die Haltbarkeit nicht automatisch. Auch ein günstiger Duft kann sich hartnäckig halten – oder eben schnell verschwinden.
So wählen Sie ein Drogerieparfum, das zu Ihnen passt
Drogeriedüfte können für den Alltag eine sehr solide, oft sogar entspannte Lösung sein – wenn Sie sie nicht wie ein Überraschungsei behandeln, sondern bewusst testen.
1. Probieren, nicht blind kaufen
- Erst auf den Teststreifen sprühen, dann auf die Haut – nur dort erleben Sie den vollen Verlauf.
- Mindestens 20–30 Minuten abwarten, bevor Sie urteilen. Die Herz- und Basisnoten zeigen erst dann, wie der Duft wirklich „tickt“.
2. Mehrere Düfte mit Abstand testen
- Begrenzen Sie sich auf zwei bis drei Düfte gleichzeitig auf der Haut.
- Gönnen Sie Ihrem Geruchssinn Pausen – sonst verschwimmt irgendwann alles zu einem Einheitsnebel.
3. Den Alltagstest machen
- Morgens aufsprühen und beobachten:
- Wie lange ist der Duft für Sie oder andere überhaupt wahrnehmbar?
- Bleibt er angenehm oder bekommt er mit der Zeit eine scharfe oder muffige Note?
- Prüfen Sie, ob der Duft in typischen Alltagssituationen passt: Büro, Bahn, Restaurant, Meeting.
4. Auf Ihr Bauchgefühl hören
Duft ist hochgradig subjektiv. Erinnerungen, Stimmungen, Assoziationen – all das spielt mit hinein.
Wenn ein vermeintlich „einfacher“ Drogerieduft sich für Sie stimmiger anfühlt als ein teures Nischenparfum, dann ist er für Sie der bessere Duft. Punkt.
Typische Stolperfallen – und wie Sie sie vermeiden
„Teurer Duft = bessere Qualität“
Ein großer Teil des Preises kann in Markenname, Kampagnen, Flakondesign und Exklusivitätsimage fließen. Die Rezeptur selbst macht davon nur einen Bruchteil aus. Ein hoher Preis kann aufwendige Rohstoffe widerspiegeln – muss aber nicht. Für die Alltagstauglichkeit ist er kein verlässlicher Maßstab.
Nur auf den ersten Sprühstoß achten
Die Kopfnote ist der schnelle Effekt – und verfliegt meist nach Minuten.
Was einen Duft wirklich trägt, sind Herz- und Basisnoten. Wer direkt nach dem ersten Eindruck entscheidet, verpasst den eigentlichen Charakter.
Parfum direkt vergleichen, ohne auf den Hauttyp zu achten
Der gleiche Duft kann bei zwei Menschen vollkommen anders wirken. Hautpflege, Talgproduktion, sogar Ernährung verändern die Chemie auf der Haut.
Vergleiche sind sinnvoll – aber nur auf der eigenen Haut wirklich aussagekräftig.
Duft auf Kleidung statt auf die Haut testen
Textilien geben Düfte anders wieder: oft sauberer, flacher, manchmal deutlich länger.
Für einen realistischen Eindruck sollten Sie Düfte immer auch auf der Haut testen, nicht nur auf Schal oder Ärmel.
Woran Sie auch in der Drogerie solide Duftqualität erkennen
1. Harmonischer Duftverlauf
Riechen Sie nach etwa 10, 30 und 120 Minuten bewusst hin:
- Verändert sich der Duft nachvollziehbar und weich?
- Oder kippt er plötzlich, wird stechend, seifig oder „chemisch“?
Ein ruhiger, stimmiger Verlauf ist ein ziemlich verlässliches Qualitätszeichen.
2. Angenehme Sillage
Die Sillage ist die Duftspur, die Sie hinterlassen.
Wirklich alltagstauglich ist ein Duft, der:
- wahrnehmbar ist, wenn man Ihnen nah kommt,
- aber nicht den gesamten Raum dominiert.
Wenn Sie Ihren Duft noch im Nebenzimmer intensiv wahrnehmen, ist er für viele Alltagssituationen schlicht zu laut dosiert.
3. Stimmigkeit zu Ihrem Lebensstil
Für den Tag funktionieren meist leichtere, frische, grüne oder pudrige Noten besser.
Abends dürfen es gerne dichtere, wärmere Akkorde sein – Vanille, Hölzer, Gewürze.
Ob die Flasche 20 oder 120 Euro gekostet hat, ist dabei zweitrangig.
4. Preis-Leistungs-Verhältnis im Blick behalten
Ein Drogerieduft erfüllt seinen Zweck sehr gut, wenn er:
- zu Ihnen und Ihrer Art zu leben passt
- auf Ihrer Haut angenehm und ohne Brüche verläuft
- einige Stunden dezent wahrnehmbar bleibt
Dann ist er für Ihren Alltag qualitativ völlig ausreichend – auch wenn er nicht im Glasregal einer Luxus-Boutique steht.
Kurz zusammengefasst
Günstige Parfums aus der Drogerie sind nicht automatisch die „schwächere“ Version. Wie hochwertig ein Duft wirkt, hängt vor allem ab von:
- der Komposition,
- der Konzentration,
- der Haltbarkeit auf Ihrer Haut und
- Ihrem persönlichen Geschmack.
Luxusmarken investieren massiv in Marketing, Markenwelt und Inszenierung. Das kann Spaß machen und sich besonders anfühlen – ist aber kein Muss, um im Alltag gut zu riechen. Ein stimmiger, angenehmer Duft lässt sich genauso im preisgünstigeren Segment finden.