Natürlicher oder synthetischer Duft? Was wirklich hinter der Entscheidung steckt
Duft entscheidet in der Kosmetik oft mit, ob wir ein Produkt mögen oder es nach einmaligem Testen vergessen. Eine Creme, die gut pflegt, aber unangenehm riecht, hat es schwer. Gleichzeitig wird die Frage lauter: Sind natürliche Duftstoffe automatisch die bessere Wahl – für uns und für die Umwelt?
Im Folgenden geht es darum, welche ökologischen und gesundheitlichen Faktoren eine Rolle spielen, worauf Sie selbst achten können und welche Vorstellungen über Duftstoffe eher Wunschdenken sind.
Wie Düfte entstehen – und warum die Herkunft einen Unterschied macht
Duftstoffe in Kosmetik lassen sich grob in zwei Gruppen einordnen:
natürliche Duftstoffe und synthetische Duftstoffe.
Natürliche Duftstoffe
Sie stammen aus pflanzlichen, tierfreien Quellen, zum Beispiel aus:
- ätherischen Ölen (z. B. aus Blüten, Schalen, Hölzern)
- Harzen
- Destillaten oder Extrakten
Solche Düfte sind chemisch gesehen komplexe Mischungen aus vielen verschiedenen Molekülen. Gewonnen werden sie etwa durch Pressen, Destillation oder Extraktion. Das klingt zunächst „naturnah“, kann aber einiges an Ressourcen verschlingen: Für bestimmte Duftnoten braucht man große Mengen Pflanzenmaterial, Wasser und Energie.
Synthetische Duftstoffe
Sie entstehen im Labor. Dabei kann man:
- Duftmoleküle nachbilden, die in identischer Form auch in der Natur vorkommen, oder
- ganz neue Moleküle entwickeln, die es so in der Natur nicht gibt.
Ihre Stärke liegt in der Kontrollierbarkeit: Qualität, Intensität und Zusammensetzung lassen sich präzise steuern, und der Anbau riesiger Monokulturen entfällt.
Ökologisch relevant sind vor allem:
- Rohstoffbedarf und Landnutzung
- Wasser- und Energieverbrauch bei der Herstellung
- Transportwege
- Abbaubarkeit in der Umwelt
Gesundheitlich relevant sind vor allem:
- Allergierisiko
- Reizpotenzial (z. B. für sensible oder vorgeschädigte Haut)
- Menge und Kombination der verwendeten Duftstoffe
Entscheidend ist: „Natürlich“ heißt nicht automatisch sanft, und „synthetisch“ ist nicht per se problematisch. Wirkung und Verträglichkeit hängen von der konkreten Formulierung, der Konzentration und Ihrer individuellen Empfindlichkeit ab.
Wie Sie Düfte in Kosmetik im Alltag bewusster einschätzen können
Wer genauer hinsehen möchte, hat mehrere Ansatzpunkte:
1. Inhaltsstoffliste (INCI)
- Natürliche Duftstoffe tauchen häufig als „Essential Oil“ oder mit botanischen Namen auf.
- Synthetische Duftstoffe finden sich meist unter „Parfum/Fragrance“ oder als einzelne Substanzen, oft mit Endungen wie „-ol“, „-al“, „-one“.
2. Eigene Haut und Nase beobachten
- Reagiert Ihre Haut mit Rötungen, Juckreiz oder Brennen, kann der Duftstoff – ob natürlich oder synthetisch – beteiligt sein.
- Kopfschmerzen, Unwohlsein oder Übelkeit in Gegenwart stark bedufteter Produkte sind ebenfalls ein Warnsignal, vor allem bei empfindlichen Personen.
3. Produktkategorie berücksichtigen
- Leave-on-Produkte wie Cremes, Lotions oder Deodorants bleiben lange auf der Haut und haben entsprechend mehr Kontaktzeit.
- Abwaschbare Produkte wie Duschgels oder Shampoos sind meist weniger kritisch, weil die Einwirkzeit kurz ist.
- Bei sensibler oder geschädigter Haut lohnt sich Zurückhaltung bei Duft – unabhängig vom Ursprung.
4. Eigene Prioritäten klären
- Wenn Umweltaspekte für Sie im Vordergrund stehen, achten Sie auf Angaben zu Herkunft der Rohstoffe, Ressourcenschonung und Zertifizierungen.
- Wenn Ihre Haut schnell reagiert, kann die bewusste Reduktion oder komplette Meidung von Duftstoffen sinnvoller sein als die Frage „natürlich oder synthetisch“.
Häufige Missverständnisse rund um natürliche und synthetische Düfte
„Natürlich ist immer besser für die Gesundheit.“
Das stimmt so nicht. Natürliche ätherische Öle gehören teilweise zu den klassischen Kontaktallergenen. Sie können die Haut reizen, Entzündungen verstärken oder in Kombination mit Sonne die Lichtempfindlichkeit erhöhen. „Pflanzlich“ ist kein Garant für gute Verträglichkeit.
„Synthetische Düfte sind grundsätzlich schädlich.“
Auch das ist zu pauschal. Viele synthetische Duftstoffe sind gut untersucht und werden in Konzentrationen eingesetzt, die als sicher gelten. Kritisch sind eher bestimmte Verbindungen, hohe Dosierungen oder ungünstige Kombinationen – nicht jede synthetische Substanz per se.
„Ohne ‚Parfum‘ auf der Verpackung ist das Produkt duftfrei.“
Produkte können durch Pflanzenextrakte, ätherische Öle oder Rohstoffe an sich riechen, ohne dass „Parfum/Fragrance“ als Sammelbegriff auftaucht. „Duftfrei“ bedeutet im Alltag oft: keine zusätzlich komponierte Parfümformulierung – nicht zwingend völlige Geruchsneutralität.
„Natürliche Düfte sind automatisch umweltfreundlicher.“
Das ist bestenfalls die halbe Wahrheit. Für manche natürlichen Düfte braucht es große Anbauflächen, viel Wasser und Energie. Monokulturen, Pestizideinsatz und lange Transportwege können die Umweltbilanz deutlich trüben. Ein synthetisch hergestelltes Molekül kann unter Umständen ökologisch günstiger sein als ein seltenes Naturöl.
Erprobte Strategien für eine bewusste Duft-Wahl
1. Bei sensibler Haut: möglichst reduziert duften
- Setzen Sie vor allem im Gesicht und an ohnehin gereizten Stellen auf duftreduzierte oder ausdrücklich duftfreie Produkte.
- Testen Sie neue Formulierungen zunächst an einer kleinen Hautpartie, bevor Sie sie großflächig verwenden.
2. Dosierung statt Ideologie
- Häufig ist die Dosis entscheidender als die Herkunft.
- Ein konventionelles Produkt mit moderat dosiertem synthetischem Duft kann verträglicher sein als ein stark parfümiertes Naturkosmetikprodukt mit vielen ätherischen Ölen.
3. Umweltaspekte mitdenken
- Sehr seltene, exotische oder trendige Naturrohstoffe können mit hohem Ressourcenverbrauch und fragwürdigen Lieferketten einhergehen.
- Konzentrierte Produkte (z. B. Seren, feste Shampoos) benötigen oft weniger Menge pro Anwendung – und damit auch weniger Duftstoffe insgesamt.
4. Eigene Trigger kennen
- Wenn bestimmte Duftstoffe oder ätherische Öle bei Ihnen immer wieder Probleme machen, lohnt sich eine persönliche „No-Go-Liste“.
- Ein kurzes Notizprotokoll zu Produkten, Reaktionen und Inhaltsstoffen hilft, solche Muster zu erkennen – und gezielter zu vermeiden.
Kurz zusammengefasst
Bei der Wahl zwischen natürlichen und synthetischen Duftstoffen geht es um mehr als Sympathie für „Grün“ oder Skepsis gegenüber „Chemie“. Beide Gruppen können ökologische Vor- und Nachteile mit sich bringen und sowohl gut als auch schlecht verträglich sein.
Natürliche Düfte wirken zwar spontan „naturnäher“, erfordern aber oft erhebliche Ressourcen und gehören nicht selten zu den typischen Allergieauslösern. Synthetische Düfte lassen sich sehr präzise herstellen und standardisieren, stehen jedoch in der Kritik, wenn sie schlecht abbaubar sind oder sich in der Umwelt anreichern.
Eine sinnvolle Entscheidung fällt selten entlang einfacher Schwarz-Weiß-Linien. Beobachten Sie Ihre Haut, achten Sie auf die Dosierung und orientieren Sie sich an Ihren eigenen Prioritäten – statt sich allein von Etiketten oder Werbebotschaften leiten zu lassen.