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Was bedeutet Sillage und Projektion bei Parfums?

Wenn ein Duft Raum einnimmt: Was Sillage und Projektion bei Parfums wirklich bedeuten

Wer sich etwas ernsthafter mit Parfums beschäftigt, landet früher oder später bei Begriffen wie „Sillage“ und „Projektion“. In Reviews und Duftforen gehören sie zum Standardvokabular – erstaunlich oft, ohne dass jemand sauber erklärt, was genau damit gemeint ist. Dabei bestimmen diese beiden Eigenschaften ganz wesentlich, wie Ihr Duft auf andere wirkt.

Im Folgenden geht es darum, was Sillage und Projektion tatsächlich beschreiben, wo der Unterschied liegt und wie Sie dieses Wissen im Alltag praktisch nutzen können.


Sillage und Projektion: Zwei Begriffe, ein gemeinsamer Kern

Beide Begriffe drehen sich darum, wie stark ein Parfum „im Raum steht“ – nur eben aus leicht unterschiedlichem Blickwinkel.

Sillage (vom Französischen für „Duftspur“) bezeichnet die Spur, die Ihr Parfum in der Luft hinter Ihnen zurücklässt. Das ist der Effekt, wenn jemand sagt: „Man merkt, dass du gerade hier warst“, obwohl Sie schon ein paar Schritte weiter sind. Sillage ist also das Nachschwingen Ihres Dufts im Raum.

Projektion beschreibt, wie weit Ihr Duft von Ihrem Körper „abstrahlt“, während Sie sich nicht bewegen. Also: Wie groß ist die Duftzone um Sie herum? Ist der Duft nur in direkter Nähe wahrnehmbar, oder wird er schon aus einem Meter Entfernung deutlich?

Beides gehört zusammen, ist aber nicht identisch:

  • Projektion = Duftblase um Ihren Körper
  • Sillage = Duftspur, die Sie beim Gehen hinterlassen

Wie Sie Sillage und Projektion im Alltag einschätzen können

Im Alltag interessieren weniger die Fachwörter als die Wirkung: Kommt Ihr Duft eher leise, präsent oder womöglich aufdringlich rüber? Das lässt sich mit einfachen Mitteln testen.

Ein pragmatischer Ansatz:

  • Projektion testen: Tragen Sie Ihren Duft wie üblich auf. Bitten Sie nach etwa 30–60 Minuten eine Person Ihres Vertrauens, aus welchem Abstand sie den Duft wahrnimmt. So bekommen Sie ein Gefühl dafür, wie „laut“ der Duft tatsächlich ist – jenseits der eigenen Wahrnehmung.
  • Sillage testen: Sprühen Sie sich an und gehen Sie ein paar Mal durch einen Raum oder Flur. Danach fragen Sie, ob und wie stark eine Duftspur bemerkbar ist.

Hilfreich ist außerdem:

  • Beobachten Sie, wie sich der Duft nach 15 Minuten, nach einer Stunde und nach mehreren Stunden verhält. Die Projektion ist meist in der ersten Stunde am ausgeprägtesten.
  • Achten Sie auf Situationen, in denen Sie Komplimente zum Duft bekommen. Das ist oft ein indirekter Hinweis auf eine wahrnehmbare Sillage – selbst dann, wenn Sie den Duft schon kaum noch registrieren.

Typische Irrtümer rund um Sillage und Projektion

„Starke Sillage bedeutet automatisch hohe Qualität.“
Nein. Ein exzellent komponierter Duft kann bewusst zurückhaltend sein. Präsenz ist kein Qualitätskriterium, sondern eine Stilfrage.

„Wenn ich meinen Duft nicht mehr rieche, ist er weg.“
Ihr Gehirn blendet vertraute Gerüche schnell aus. Häufig riecht Ihr Umfeld Ihren Duft noch deutlich, während Sie selbst meinen, er sei schon verflogen.

„Mehr Sprüher = bessere Projektion.“
Mehr Sprühstöße machen einen Duft nicht automatisch schöner, sondern im Zweifel nur lauter – und schneller zu viel. Entscheidend sind Konzentration, Zusammensetzung und die Stellen, an denen Sie sprühen.

„Sillage und Projektion sind immer gleich.“
Sind sie nicht. Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Ihre Haut (trocken, fettig, gepflegt) und auch Kleidung beeinflussen, wie sich ein Duft verhält. Dass ein Parfum an verschiedenen Tagen unterschiedlich wirkt, ist eher die Regel als die Ausnahme.


Kleine Stellschrauben für eine angenehm wahrnehmbare Duftpräsenz

Wenn Sie Sillage und Projektion bewusster beeinflussen möchten, können Sie an ein paar Punkten ansetzen:

  • Auftragestellen wählen:

    • Für mehr Projektion: Oberkörper, Schultern, seitlich am Hals, gegebenenfalls auch auf Kleidung (vorher an unauffälliger Stelle testen).
    • Für eine zurückhaltendere Wirkung: Innenseite der Handgelenke, seitlich am Oberkörper, eher körpernah als „offen im Raum“.
  • Haut pflegen:
    Auf leicht eingecremter, gepflegter Haut halten sich viele Düfte besser und wirken oft etwas voller. Das kann sowohl Haltbarkeit als auch Sillage unterstützen.

  • Umgebung bedenken:
    Im Büro, in Besprechungen oder in engen Räumen sind dezente Düfte mit kleiner Projektion meist angenehmer. Für abendliche Veranstaltungen oder offene Räume darf ein Duft präsenter sein, ohne zu stören.

  • Sprühmenge anpassen:
    Beginnen Sie lieber mit etwas weniger und tasten Sie sich heran. Gerade konzentrierte oder sehr intensive Düfte benötigen oft deutlich weniger Sprühstöße, als man zunächst annimmt.


Kurz zusammengefasst

Sillage und Projektion beschreiben, wie weit ein Duft in den Raum hineinwirkt – einmal als Duftspur, die Sie hinterlassen (Sillage), und einmal als Duftblase um Ihren Körper (Projektion).

Beides sind keine objektiven Qualitätsmerkmale, sondern Ausdruck eines Stils: Möchten Sie eher leise wahrgenommen werden oder gerne auch markant im Raum stehen? Wer diese Begriffe versteht, kann Düfte bewusster auswählen, sinnvoll dosieren und besser an Anlass und Umgebung anpassen.


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