Sauber dokumentiert: Welche Nachweispflichten im Nagelstudio wirklich zählen
Die Arbeit im Nagelstudio ist weit mehr als eine Schönheitsdienstleistung. Sie findet nah am Körper statt – oft mit kleinen Verletzungen an Nagelhaut oder Haut. Damit Hygiene nicht nur optisch stimmt, sondern auch überprüfbar ist, brauchen Studios mehr als einen sauberen Eindruck: Sie brauchen belastbare Dokumentation.
Viele Studio-Inhaberinnen und -Inhaber stehen vor denselben Fragen:
Was genau muss ich festhalten? Wie detailliert soll das sein? Und was ist eher „nice to have“ als Pflicht?
Der folgende Überblick zeigt, welche Formen der Dokumentation in einem professionell geführten Nagelstudio üblich sind – und welche Unterlagen Sie im Alltag tatsächlich brauchen.
Warum Dokumentation im Nagelstudio mehr ist als ein notwendiges Übel
Nagelstudios arbeiten mit Hautkontakt, teils mit Mikroverletzungen, und damit immer im Bereich möglicher Keimübertragung. Gesundheitsbehörden und Berufsgenossenschaften interessieren sich deshalb nicht nur dafür, was Sie tun, sondern ob sich das auch nachweisen lässt.
Die genauen Vorgaben unterscheiden sich je nach Land, Bundesland oder Region. Der Kern ist jedoch überall ähnlich: Wer am Menschen arbeitet, muss zeigen können, dass
- Hygienestandards definiert sind,
- Mitarbeitende geschult wurden und
- Reinigung und Desinfektion regelmäßig und fachgerecht stattfinden.
Die Dokumentation ist der Beleg dafür, dass diese Standards nicht nur auf dem Papier existieren – sondern im Alltag umgesetzt werden.
Was in ein Hygienekonzept gehört – und wie Sie es nachvollziehbar festhalten
Ein gut geführtes Nagelstudio arbeitet mit einem schriftlichen Hygienekonzept. Es beschreibt, wie Hygiene, Desinfektion und Schutzmaßnahmen im Studio organisiert sind. Typische Bausteine:
Hygieneplan:
Welche Flächen, Geräte und Instrumente werden wie oft und mit welchen Mitteln gereinigt oder desinfiziert?
Instrumentenaufbereitung:
Konkrete Schritte zur Reinigung, Desinfektion und – falls erforderlich – Sterilisation von Feilen, Fräseraufsätzen und anderen Werkzeugen.
Persönliche Schutzmaßnahmen:
Vorgaben zu Handschuhen, Mund-Nasen-Schutz, Schutzbrille und Handhygiene.
Arbeitsplatzhygiene:
Umgang mit Einwegmaterialien, Aufbewahrung von Werkzeugen, Reinigung der Arbeitsflächen.
Ergänzend gehört ins Hygienekonzept ein Hinweis auf die rechtlichen Grundlagen im jeweiligen Land sowie eine klare Benennung der Person, die im Studio die Gesamtverantwortung für Hygiene trägt.
Typische Nachweise im Alltag: Was Sie konkret dokumentieren sollten
Damit das Hygienekonzept nicht zu einer lose Blattsammlung ohne Wirkung wird, braucht es laufende Aufzeichnungen. In vielen Studios haben sich unter anderem diese Dokumente bewährt:
Reinigungs- und Desinfektionspläne mit Checklisten:
Festhalten, wann Arbeitsflächen, Waschbecken, Geräte oder Böden gereinigt und desinfiziert wurden – und von wem.
Instrumentenaufbereitung:
Protokolle darüber, wann und wie wiederverwendbare Instrumente aufbereitet wurden (Reinigung, Desinfektion, ggf. Sterilisation).
Schulungsnachweise:
Unterlagen zu Einweisungen, Hygieneschulungen und Fortbildungen der Mitarbeitenden.
Wartungs- und Kontrollprotokolle für Geräte:
Nachweise zur Funktionskontrolle von Fräsgeräten, Absaugungen und – falls vorhanden – Sterilisationsgeräten.
Unfall- und Vorfallberichte:
Dokumentation von Stich- oder Schnittverletzungen, Blutkontakt oder anderen Zwischenfällen – einschließlich der ergriffenen Maßnahmen.
Bei Kontrollen durch Gesundheitsamt oder Berufsgenossenschaft können genau diese Unterlagen angefordert werden, um die Einhaltung der Hygienestandards zu beurteilen.
Häufige Fehler: Wo Nagelstudios bei der Dokumentation ins Stocken geraten
Die meisten Studios scheitern nicht am Hygienebewusstsein, sondern an der konsequenten Dokumentation. Typische Problemfelder:
Hygieneplan nur „im Kopf“:
Es gibt zwar Routinen, aber keine schriftliche Festlegung.
Checklisten werden im Nachhinein ausgefüllt:
Einträge entstehen gesammelt am Tages- oder Wochenende – nicht direkt nach der Durchführung.
Mitarbeitende kennen den Plan kaum:
Der Ordner existiert, wird aber im Alltag weder erklärt noch genutzt.
Einweg- und Mehrwegmaterialien sind nicht klar getrennt – und entsprechend auch nicht klar dokumentiert.
Vorfälle bleiben undokumentiert:
Kleine Unfälle werden mündlich geklärt, aber nicht schriftlich festgehalten.
Spätestens bei einem Infektionsverdacht oder einer behördlichen Kontrolle können solche Lücken unangenehm auffallen.
Praktische Tipps für eine schlanke, aber vollständige Hygienedokumentation
Dokumentation muss nicht kompliziert sein. Entscheidend ist, dass sie in den Alltag passt:
Standardisierte Vorlagen nutzen:
Einfache Tabellen für tägliche, wöchentliche und monatliche Aufgaben reduzieren den Aufwand und schaffen Klarheit.
Pläne sichtbar platzieren:
Reinigungs- und Desinfektionspläne in der Nähe der Arbeitsplätze aufhängen, damit jede zuständige Person direkt eintragen kann.
Zuständigkeiten eindeutig regeln:
Für jede Aufgabe sollte klar sein, wer verantwortlich ist. Das beugt Lücken vor.
Kurze, regelmäßige Team-Updates:
Hygiene und Dokumentation mindestens einmal jährlich – sinnvollerweise öfter – im Team besprechen und Änderungen schriftlich festhalten.
Aufbewahrungsfristen einhalten:
Unterlagen geordnet ablegen und erst nach Ablauf der in Ihrem Land üblichen Fristen entsorgen.
Gut geführte Hygieneunterlagen erleichtern nicht nur den Umgang mit Kontrollen. Sie schärfen auch im Team den Blick für sauberes Arbeiten.
Kurz zusammengefasst
Im Nagelstudio reicht ein gepflegter Gesamteindruck nicht aus. Hygiene und Desinfektion müssen so dokumentiert sein, dass Außenstehende den Ablauf nachvollziehen können.
Wesentliche Elemente sind:
- ein schriftlicher Hygieneplan,
- laufende Reinigungs- und Desinfektionsnachweise,
- Dokumentation der Instrumentenaufbereitung,
- Schulungs- und Unterweisungsnachweise,
- Protokolle zu Vorfällen und relevanten Gerätekontrollen.
Welche Details genau gefordert sind, hängt von den Vorgaben in Ihrem Land oder Ihrer Region ab. Der Grundsatz bleibt: Wer am Menschen arbeitet, trägt Verantwortung – und macht sie über saubere, nachvollziehbare Dokumentation sichtbar.